Feigenbaum pflanzen, pflegen und ernten – was er wirklich braucht
Süße Feigen direkt aus dem eigenen Garten pflücken: Mit dem richtigen Standort, passenden Sorten und gutem Winterschutz wächst der Feigenbaum auch in kühleren Lagen. Harald Thiesz aus der Wiener Gärtnerei Feigenhof erklärt, was es dafür braucht.
Wissenswertes über Feigen:
- 1. Feige im Kurzporträt
- 2. Wann und wie viel tragen Feigenbäume bei uns?
- 3. Welcher Standort ist der richtige für den Feigenbaum?
- 4. Wie schütze ich meinen Feigenbaum im Winter?
- 5. Wie überwintere ich Feigen im Topf?
- 6. Warum fallen meine Feigen unreif ab?
- 7. Tragen Feigenbäume ohne Bestäubung?
- 8. Geschichte und Bedeutung des Feigenbaums
1. Feige im Kurzporträt
Die Feige gehört zur Gattung Ficus, die rund 1.000 Arten umfasst – darunter immergrüne und laubabwerfende Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen aus tropischen und subtropischen Regionen weltweit.
Botanischer Name | Ficus carica |
Familie | Maulbeergewächse (Moraceae) |
Verwandte Zimmerpflanzen | Gummibaum (Ficus elastica), Birkenfeige (Ficus benjamina) |
Fruchttyp | Scheinfrucht (Sykonium) |
Erntezeit in Österreich | Sommerfeigen: Juli–August / Herbstfeigen: August–September |
Besonderheit | Alle Feigenarten führen einen milchigen Saft in Trieben und Blättern |
2. Wann und wie viel tragen Feigenbäume bei uns?
Feigenbäume können bis zu dreimal im Jahr Früchte ansetzen. In Österreich und vergleichbaren Lagen reifen jedoch nur zwei Ernten zuverlässig aus:
Sommerfeigen: Juli bis August
Herbstfeigen: August bis September
Die gute Ertragsphase beginnt ab dem dritten Standjahr – davor investiert der Baum seine Kraft ins Wachsen. Es lohnt sich also, etwas Geduld mitzubringen.
3. Welcher Standort ist der richtige für den Feigenbaum?
Der Feigenbaum braucht zwei Dinge ganz besonders: Windschutz und Wärme. Ein sonniger, geschützter Platz – etwa an einer Südmauer, in einem Innenhof oder in einer Mauerecke – bietet beides.
Windschutz ist auch im Winter wichtig: Wind erhöht den Wasserbedarf der Pflanze. Da der Baum aus gefrorenem Boden kein Wasser aufnehmen kann, droht Vertrocknen – was leicht mit Erfrieren verwechselt wird, wie Harald Thiesz von der Wiener Gärtnerei Feigenhof erklärt. Er zieht dort mit seiner Frau Ursula Kujal mehr als 50 Sorten heran.
Ausreichend Sonne und Wärme von Sommer bis Herbst sind notwendig, damit die Früchte vollständig ausreifen.
Auch in kühleren Lagen als der Wachau oder dem Burgenland ist ein Feigenbaum möglich – mit der richtigen Sortenwahl und einem begünstigten Platz im Garten.
4. Wie schütze ich meinen Feigenbaum im Winter?
Ausgepflanzte Feigen brauchen in den ersten drei Jahren besonderen Winterschutz, da sie ihre volle Winterhärte noch nicht erreicht haben. Experte Harald Thiesz empfiehlt:
Für strauchförmige Feigen:
Zaungitter kreisförmig um die Pflanze aufstellen
Den Zwischenraum mit Laub oder Stroh füllen
Überwinterungsvlies verwenden
Schutz von November bis März
Für baumförmige, größere Feigen:
Stamm mit Vlies umwickeln
Wurzelbereich mit Laubschicht, Fichtenreisig und Kokos- oder Strohmatten abdecken
Sollten Triebe im Winter abfrieren, nicht aufgeben: Dank guter Regenerationsfähigkeit treibt die Feige aus dem Wurzelstock neu aus. Im Frühjahr einfach bis ins gesunde Holz zurückschneiden.
Ein strauchförmiger Wuchs ist dabei von Vorteil, weil sich die Pflanzen dann besser warm einpacken lassen.Harald Thiesz, Feigengärtner aus Wien
5. Wie überwintere ich Feigen im Topf?
Feigen im Topf kommen in der kalten Jahreszeit in ein frostsicheres, trockenes Winterquartier:
Temperatur | 2 bis 10 °C (je kühler, desto besser) |
Licht | Dunkel möglich, da der Baum die Blätter im Herbst abwirft |
Gießen | Nur wenig – der Wurzelballen darf aber nie vollständig austrocknen |
Raus ins Freie | Ab Mitte März, bevor die Pflanze austreibt |
Achtung bei Spätfrösten | Bei angekündigten Frösten im belaubten Zustand über Nacht wieder hereinholen |
6. Warum fallen meine Feigen unreif ab?
Vorzeitiger Fruchtfall ist ein häufiges Problem und hat meist zwei Ursachen:
Starke Temperaturschwankungen – Sie stressen die Pflanze und führen dazu, dass unreife Früchte abgeworfen werden.
Ausgebliebene Befruchtung – Bei Wildformen der Feige ist die winzige Feigengallwespe für die Bestäubung verantwortlich. Ohne sie bilden sich keine Früchte.
Wer einen Feigenbaum von einer Reise aus dem Mittelmeerraum mitbringt, hat deshalb keine Garantie auf reife Früchte – sofern es sich um eine Wildform handelt.
7. Tragen Feigenbäume ohne Bestäubung?
Ja – aber nur die richtigen Sorten. Die heute im Handel erhältlichen Kultursorten, auch Hausfeigen genannt, sind jungfernfrüchtig (parthenokarp). Das bedeutet: Sie tragen ganz ohne Bestäubung durch Insekten.
Wildfeigen hingegen sind auf die Feigengallwespe als Bestäuberin angewiesen. Wer einen wilden Feigenbaum aus dem Urlaub mitbringt, sollte das wissen – und besser auf eine bewährte Kultursorte zurückgreifen, wie sie etwa in der Gärtnerei Feigenhof in Wien in mehr als 50 Sorten erhältlich sind.
8. Geschichte und Bedeutung des Feigenbaums
Der Feigenbaum gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt – Nachweise reichen bis in die Jungsteinzeit. Bereits vor 5.000 Jahren kultivierten die Assyrer Feigenbäume. Rund 700 v. Chr. gelangte die Pflanze nach Griechenland und später nach Italien.
Auch in Mythologie und Brauchtum hat die Feige ihren festen Platz:
Das Feigenblatt wurde zum Symbol für Erotik und Sexualität, weil Adam und Eva laut biblischer Überlieferung nach der Vertreibung aus dem Paradies ihre Blöße damit bedeckten.
Im keltischen Baumkreis ist der Feigenbaum vom 14. bis 23. Juni und vom 12. bis 21. Dezember verortet. Menschen, die in diesen Zeiträumen geboren sind, werden als freiheitsliebend, impulsiv, lebenslustig, aber auch verlässlich und ausdauernd beschrieben.
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