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Garten

Marillenbaum pflanzen, pflegen und ernten – was man wissen muss

Der Marillenbaum ist empfindlich, eigenwillig und trägt manchmal jahrelang keine Frucht. Wer ihm den richtigen Platz gibt und ihn versteht, wird mit leuchtend orangefarbenen, duftenden Früchten belohnt.

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Foto: Julius Hirtzberger
Erfahren Sie, was ein Marillenbaum im Garten alles braucht, damit es eine reiche Ernte gibt.

Wissenswertes über die Marille im Garten in der Übersicht:

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1. Marillenbaum im Kurzporträt

Botanischer Name

Prunus armeniaca

Familie

Rosengewächse (Rosaceae)

Ursprung

Mittel- und Ostasien

Ernte

Je nach Sorte Ende Juni bis Mitte August

Boden

Locker, kalkhaltig

Standort

Sonnig, warm, geschützt

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  • Die Marille zählt zu den ältesten Obstarten. Ursprünglich aus China stammend, dürfte das Steinobst mit den Feldzügen Alexanders des Großen nach Europa und spätestens mit den Römern ins Land gekommen sein.

  • Der botanisch-lateinische Name Prunus armeniaca bedeutet „armenische Pflaume"; das österreichische Wort Marille leitet sich vom italienischen armellino ab. Die erste schriftliche Erwähnung als „Maryln" findet sich in einem Brief aus dem Jahr 1509, aufbewahrt im Starhembergischen Archiv im oberösterreichischen Eferding.

  • Im Obstgarten sind Marillen keine einfachen Früchte: Sie vertragen keinen Frost, ihr Ertrag schwankt stark von Jahr zu Jahr. Am besten gedeihen sie dort, wo auch Wein gut wächst.

2. Welchen Standort braucht ein Marillenbaum?

  • Marillenbäume brauchen sonnige, warme Standorte und lockere, kalkhaltige Böden.

  • Wer seinem Marillenbaum kein warmes Weinbauklima mit heißen Sommern bieten kann, tut gut daran, ihn an einem sehr geschützten, warmen Platz zu pflanzen – überdacht oder an einer Hausmauer.

  • In gebirgigen Lagen wachsen Marillen am besten als Spalierobst an der geschützten Hauswand.

Tipp zum Frostschutz durch Standortwahl: Ein Platz, der erst relativ spät im Frühjahr sonnig wird, verzögert Austrieb und Blüte – und verringert damit die Gefahr, von einem Spätfrost erwischt zu werden.

3. Wann und wie pflanzt man einen Marillenbaum?

  • Wurzelnackte Marillenbäumchen setzt man am besten im März. Erfahren Sie hier, was sonst im März im Garten zu tun ist.

  • Vertrocknetes und verletztes Wurzelwerk vorher abschneiden.

  • Den Baum ein bis zwei Tage vor dem Pflanzen gut einwässern.

  • Gepflanzt wird so, dass die knollige Veredelungsstelle über der Erde liegt.

  • Ab Mitte April kann man Marillen nur mehr als Topfware – mitsamt verwurzeltem Erdballen – setzen.

In der Wachau werden die Edelreiser für neue Bäume schon im Februar von den besten Bäumen geschnitten und auf Wurzeln von wilden Zwetschken gepfropft. Die jungen Bäume kommen dann für ein Jahr ins Glashaus. Marillenbauer Harald Aufreiter aus Krems-Angern, dessen alte Obstbäume rund um den Göttweiger Berg stehen: „Wir züchten unsere Bäume selbst, damit unsere Wachauer Marillen erhalten bleiben.“

4. Wann trägt ein Marillenbaum Früchte?

Geduld ist beim Marillenbaum keine Tugend, sondern eine Notwendigkeit. Franz Schöberl junior, Jungbauer am Weingut Schöberl Pichl-Hof in Spitz an der Donau und Absolvent der Klosterneuburger Obst- und Weinbauschule, bringt es auf den Punkt: „Denn Marillenbäume sind empfindlich. Sie tragen erst nach sechs bis sieben Jahren. Und erst wenn sie ihr fünfzehntes Jahr überstanden haben, heißt es, kannst sicher sein, dass sie dir bleiben.“

Winzer Franz Schöberl, Marillen pflücken, Weingut Schöberl pichl-hof
Foto: Julius Hirtzberger
Winzer Franz Schöberl beim Marillenpflücken am Weingut Schöberl Pichl-Hof.

5. Wie und wann schneidet man einen Marillenbaum?

Marillen schneidet man idealerweise im September, wenn das Wachstum großteils abgeschlossen ist. Pflegerückschnitte macht man am besten nach der Ernte im Hochsommer. Der richtige Schnitt braucht etwas Übung – wer ihn selbst machen möchte, ist gut beraten, einmal einen Obstbaumschnittkurs zu besuchen.

Die wichtigsten Schnittregeln:

  • Oberstes Ziel ist ein lockerer Kronenaufbau, damit genügend Sonne ins Innere der Krone gelangt und Früchte ausreifen können. Eine alte Gärtnerregel: Die Krone soll so locker sein, dass man einen Hut hindurchwerfen kann.

  • Nach innen wachsende Triebe herausschneiden; die oberste zurückbleibende Knospe soll nach außen zeigen.

  • Lange Konkurrenztriebe (sogenannte Wassertriebe), die keine Früchte tragen, entfernen.

  • Schnittflächen möglichst glatt und schräg halten, damit kein Wasser darauf stehen bleibt.

  • Dünne Äste mit scharfer Gartenschere knapp oberhalb einer nach außen zeigenden Knospe schneiden.

  • Beim Entfernen größerer Äste keinen langen Aststummel stehen lassen, aber auch nicht direkt am Stamm schneiden.

Was passiert, wenn man gar nicht schneidet? Mit der Zeit verkahlt das Kroneninnere, weil dichte Äste zu wenig Licht hineinlassen. Früchte bilden sich dann nur noch im äußeren Kronenbereich, das Astgerüst wird instabil. Ohne Schnitt vergreisen Obstbäume früher und die Ernte bleibt aus. Einen vernachlässigten Baum kann ein kräftiger Verjüngungsschnitt im Spätherbst oder zeitigen Winter wieder in Schwung bringen.

6. Wie schützt man Marillenblüten vor Spätfrost?

  • Der größte Feind des Marillenbaums ist der Frost. Die Blüte beginnt manchmal schon Mitte März – für Marillenbauern ist das jedes Jahr eine bange Zeit. In der Wachau begegnet man der Kältegefahr mit bewährten Mitteln: zwischen den Bäumen Reisig verbrennen oder Fackeln anzünden.

  • Einen Teil des Frostschutzes kann man bereits bei der Standortwahl einplanen: Ein Platz, der erst relativ spät im Frühjahr sonnig wird, lässt den Baum später austreiben und blühen – und verringert so das Risiko, von einem Spätfrost getroffen zu werden.

Wichtig zu wissen: Früchte gibt es bei Marillen meist nur an Plätzen mit spätem Austrieb – also nicht in reiner Südlage.

7. Wann sind Marillen reif und wie erntet man sie richtig?

  • Je nach Sorte reifen Marillen zwischen Ende Juni und Mitte August. Das Entscheidende dabei: Marillen reifen nicht nach. Harald Aufreiter, Marillenbauer aus Krems-Angern: „Marillen reifen nicht nach, man kann sie also nicht grün einlagern. Idealerweise pflückt man sie fünf Minuten, bevor sie von selbst zu Boden fallen.“

  • Der Zeitpunkt der Ernte ist also keine Kleinigkeit. In der Wachau gilt: Wer im Juni Marillen kauft, bekommt keine echten Wachauer Marillen – deren Reifezeit liegt zwischen Juli und August und variiert jedes Jahr, auch innerhalb der Wachau.

Franz Schöberl junior vom Weingut Schöberl Pichl-Hof in Spitz an der Donau erklärt, wie sich der Ernteprozess verändert hat: „Heute versucht man, die Bäume so zu ziehen, dass man im Stehen ohne Leiter ernten kann. Aber früher, da ließ man die Bäume in den Himmel wachsen.“

Haltbarkeit: Marillen sind nur sehr kurz haltbar. Was man nicht frisch vom Baum essen kann, wird getrocknet, eingefroren, gebrannt oder eingekocht.

8. Soll man Marillen ausdünnen?

Ja – und zwar ein- bis zweimal in der Saison. Werden zu viele Blüten angesetzt, überlastet das den Baum und verzögert die Ausreife der Früchte. Kleine und beschädigte Früchte werden großzügig entfernt, gleichmäßige bleiben hängen.

  • Angestrebter Abstand zwischen den Früchten: ca. 10 cm

  • Das bringt eine bessere Durchlüftung der Krone und schnelleres Abtrocknen

Auch in der Wachau wird nach überstandener Blüte ausgedünnt: Unreife, als chancenlos erkannte Früchte werden gepflückt, damit sich die übrigen besser entwickeln können.

9. Welche Marillensorten gibt es?

Sorte

Reifezeit

Besonderheit

Ananasmarille

Ende Juli

Hellorange mit sonnenseitiger Rötung; süß-säuerlich mit fruchtiger Würze; gut steinlösend; mag keine schweren Lehmböden

Aprikose von Nancy

Ab Ende Juli

Auch Große Zuckeraprikose oder Royal du Luxembourg; robust, reicher Ertrag, geringe Bodenansprüche

Aprikose von Breda

Ende Juli

Fast 300 Jahre alte Sorte; auch Haselnuss- oder Orangenaprikose; frostempfindliche Blüte; sehr saftig und aromatisch

Frühe Rosenmarille

Mitte Juli

Auch Rotbackige oder Ungarische Frühe; blüht spät, reift früh; saftig-schmelzend, sehr aromatisch

Klosterneuburger Marille

Anfang August

Auch Rote Marille genannt; reich tragend, vielseitig; in der Wachau verbreitet

Ungarische Beste

Anfang August

Bekannter Zufallssämling seit 1868; süßsäuerlich mit angenehmer Würze; gut steinlösend

  • Gut zu wissen: In der Wachau setzt Marillenbauer Harald Aufreiter auf die Paradessorten Kremser und Klosterneuburger Marille.

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Foto: Eisenhut & Mayer
Reife Marillen mit rosa Bäckchen, frisch geerntet.

10. Was macht die Wachauer Marille besonders?

  • Rund 100.000 Marillenäume säumen die Ufer der Donau in der Wachau. Die Früchte tragen eine geschützte Ursprungsbezeichnung der EU – nur innerhalb streng definierter Grenzen dürfen sie den Namen der Gegend vorantragen, die seit mehr als 1.000 Jahren ihre Heimat ist.

  • Das besondere Klima der Wachau – heiße Sommertage und kühle Flussnächte – verleiht den Früchten weit mehr Geschmack als Marillen in anderen Gegenden. Die sorttypischen roten Wangerln der echten Wachauer Marille reifen erst im Juli, manchmal sogar erst im August.

  • Die Wachauer Marillenkultur entstand aus einem eher unerfreulichen Anlass: Als die Terrassen-Weingärten der Wachau um das Jahr 1890 von der Reblaus vernichtet wurden, suchten die Weinbauern ein zweites Standbein und fanden es im Anbau lokaler Marillensorten. Ein wackeliges Standbein, denn die Empfindlichkeit gegenüber Spätfrösten kann immer wieder einen Großteil der Jahresernte zunichtemachen.

Franz Schöberl, Winzer und Marillenbauer am Pichl-Hof in Spitz an der Donau, über die Bedeutung der Marille für seinen Betrieb: „Ein willkommenes Zubrot zum Wein und eine schöne Familientradition, weil wir von der Marmelade über den Likör bis hin zum Marillenröster für unseren Heurigen vieles selbst daraus machen.“

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