Johanni: Der Lostag im Gartenjahr – was jetzt zu tun ist
Was der 24. Juni für Gärtnerinnen und Gärtner bedeutet:
- 1. Was ist Johanni – und was hat er mit dem Garten zu tun?
- 2. Rhabarber: Warum der Erntestopp zu Johanni Sinn ergibt
- 3. Spargelsilvester: Wann und warum die Spargelernte endet
- 4. Kirschen: Was Kirschwochen sind – und wann man erntet
- 5. Ribiseln: Ernte und Pflege rund um den Johannitag
- 6. Johanninüsse: Grüne Walnüsse einlegen – so geht's
- 7. Heckenschnitt und Wiesenmahd: Was der Johannistrieb anzeigt
1. Was ist Johanni – und was hat er mit dem Garten zu tun?
Der 24. Juni ist der Gedenktag des Johannes des Täufers, der laut Überlieferung ein halbes Jahr vor Jesus geboren wurde. Er fällt knapp nach der Sommersonnenwende am 21. Juni und gilt als einer der wichtigsten Lostage im bäuerlichen Kalender. Lostage sind traditionelle Orientierungspunkte im Jahr, an denen Bauern und Gärtner ablesen, welche Arbeiten jetzt anstehen und wie sich das Jahr entwickeln wird.
Ende Juni ist der Garten an seinem Höhepunkt: Die Blütenfülle ist auf ihrem Gipfel, die erste Gemüse- und Obsternte läuft auf Hochtouren. Die Sommersonnenwende setzt der Schafskälte ein Ende – ab jetzt ist kein Kälteeinbruch mehr zu erwarten. Johanni teilt den Sommer dabei in ein klares Vorher und Nachher: Manche Ernten enden jetzt verbindlich, andere beginnen gerade erst. Die alte Bauernregel bringt es auf den Punkt: „Bis an Johanni wird gepflanzt, ein Datum, das du dir merken kannst.“ Hier finden Sie weitere Bauernregeln für Juni.
Kein Zufall, dass so viele Pflanzen und Tiere den Namen dieses Tages tragen: Ribiseln heißen botanisch Johannisbeeren, das Johanniskraut erblüht jetzt, der Johannistrieb bezeichnet den zweiten Austrieb der Laubgehölze – und die Glühwürmchen werden Johanniswürmer genannt.
Bis an Johanni wird gepflanzt, ein Datum, das du dir merken kannst.Traditionelle Bauernregel
2. Rhabarber: Warum der Erntestopp zu Johanni Sinn ergibt
Rhabarber schmeckt wie Obst, ist aber ein Gemüse – und er gehört zu jenen Gartenpflanzen, für die Johanni den klaren Ernteschlusspunkt setzt. Nach dem 24. Juni wird nicht mehr geerntet, und das hat gleich zwei gute Gründe:
Oxalsäure: Später im Jahr reichert sich im Rhabarber die Oxalsäure an. Die Stiele sollten dann nicht mehr verzehrt werden.
Erholung: Die Pflanze braucht die Zeit von Johanni bis in den Herbst, um die Blattverluste durch die Ernte auszugleichen und genügend Reserven für das kommende Jahr anzulegen.
Was nach der letzten Rhabarber-Ernte zu tun ist:
Blütenstiele bodeneben entfernen: Investiert die Pflanze zu viel Kraft in die Samenbildung, bleibt weniger Energie für den Wuchs.
Nach der Ernte mit einem ganzen Kübel (10 l) Kompost nachdüngen; im folgenden Frühjahr reicht die halbe Menge (5 l).
Bei anhaltender Trockenheit kräftig gießen: 10 bis 20 Liter auf einmal.
Ab August tritt eine Ruhephase ein – die Blätter verwelken, die Pflanze zieht ein.
Das Laub sinnvoll verwenden: Das Laub der abgeernteten Stiele lässt sich als Mulchdecke für Beete mit jungen Gemüse- und Salatpflanzen nutzen. Wer die Blätter zerkleinert und mit kochendem Wasser aufgießt, erhält einen Tee, der – auf befallene Pflanzenteile gesprüht – gegen Mehltau hilft.
3. Spargelsilvester: Wann und warum die Spargelernte endet
„Spargelsilvester“ nennt sich der 24. Juni im Volksmund – denn an diesem Tag endet die Spargelernte. Erntet man danach weiter, fällt der Ertrag im nächsten Jahr deutlich geringer aus: Die Pflanzen brauchen die verbleibende Wachstumszeit, um Kräfte für das kommende Jahr aufzubauen.
Spargel ist wie Rhabarber eine ausdauernde Staude und benötigt bis zur ersten Ernte zwei Jahre. Grüner Spargel ist robuster als weißer und kommt mit weniger Pflege aus, da das aufwendige Anhäufeln von Wällen entfällt. Er enthält mehr Vitamin C, Carotinoide und Biophenole und muss nicht geschält werden. Geerntet wird er nicht gestochen, sondern in Bodennähe mit dem Messer abgeschnitten.
4. Kirschen: Was Kirschwochen sind – und wann man erntet
Die Reifezeit der Kirschsorten wird in sogenannte Kirschwochen eingeteilt – ein System, das der deutsche Obstbaukundler Christian Truchseß von Wetzhausen zu Bettenburg (1755–1826) entwickelte. Als Startsorte legte er die „Früheste der Mark“ fest (Kirschwoche 1). Diese reift je nach Witterung an einem warmen Standort bereits Mitte Mai. Die Abfolge der Sorten bleibt dabei immer gleich, auch wenn sich die genauen Zeitpunkte von Jahr zu Jahr verschieben.
Johanni fällt meist in die vierte Kirschwoche. Ab der sechsten und siebten Kirschwoche reifen späte Sorten wie „Schneiders späte Knorpelkirsche“ und „Regina“. Eine Kirschwoche dauert je nach Witterung zwischen fünf und zehn Tage.
Praktischer Tipp beim Ernten:
Wer zur Erntezeit ganze Äste samt reifer Früchte abschneidet, kann die Kirschen gemütlich vom Boden aus pflücken. Das schadet dem Baum nicht – das gleichzeitige Schneiden und Ernten ist eine Besonderheit der Kirschen.
Dabei wird die Krone ausgelichtet und das Seitenwachstum gebremst. Bei kräftig wachsenden Bäumen hemmt der Sommerschnitt den Wuchs und fördert die Bildung von Fruchtholz.
Und: Sommerschnitt-Wunden heilen gut, weil das vegetative Wachstum zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen ist.
5. Ribiseln: Ernte und Pflege rund um den Johannitag
Das Pflücken der roten, schwarzen oder weißen Ribiseln beginnt rund um den 24. Juni – kein Zufall also, dass die Pflanzengattung botanisch Johannisbeere (ribes) heißt.
Johannisbeersträucher gedeihen auf durchlässigem, humosem Boden. Eine Mulchschicht aus Grasschnitt oder Holzhäcksel schützt die Wurzeln im Sommer vor dem Austrocknen. Sobald der Strauch abgeerntet ist, folgt der Schnitt.
So wird geschnitten: Johannisbeeren bilden ihre Früchte an den jungen Trieben – beim Schnitt darf man daher beherzt vorgehen:
Nach innen wachsende Triebe und alte Zweige entfernen.
9 bis 12 Haupttriebe bleiben übrig.
Die unteren Seitenäste bis etwa 30 cm Höhe wegschneiden.
Ältere Seitentriebe kürzen; junge bleiben stehen, um im nächsten Jahr Früchte zu tragen.
6. Johanninüsse: Grüne Walnüsse einlegen – so geht's
Schwarze Nüsse – auch Johanninüsse genannt – sind hierzulande eine Spezialität. Traditionell werden die unreifen grünen Walnüsse am Johannistag oder, je nach Witterung, kurz davor vom Baum geerntet. Die Schalen müssen noch so weich sein, dass man mit einem Zahnstocher hineinstechen kann – genau das ist um diese Zeit der Fall, da sie noch nicht verholzt sind. Bei der Ernte schützt man sich am besten die Hände, denn der Saft verfärbt die Finger tagelang.
Wie man Johanninüsse selber macht – Schritt für Schritt:
Wässern: Die frischen Nüsse zwei bis drei Wochen in kaltes Wasser legen, damit sich die bittere Gerbsäure herauslöst. Das Wasser täglich wechseln.
Blanchieren: Die bereits dunkel verfärbten Nüsse mit kochendem Wasser übergießen, nach etwa zehn Minuten in einem Küchensieb mit kaltem Wasser abschrecken.
Einkochen: In aufgekochtem Zuckerwasser mit Vanille, Zimt und Gewürznelken eine halbe Stunde köcheln lassen, bis die Nüsse vollends schwarz sind.
Einlagern: In Schraubgläser füllen und kühl lagern.
Geduld lohnt sich: Nach zwei Jahren erreichen die Johanninüsse ihr volles Aroma. Aus den grünen Walnüssen kann man außerdem einen köstlichen Walnusslikör zaubern!
7. Heckenschnitt und Wiesenmahd: Was der Johannistrieb anzeigt
Ende Juni meldet sich an Laubgehölzen der sogenannte Johannistrieb – der zweite Austrieb des Jahres. Er gibt das Signal: Jetzt ist Zeit fürs Heckenstutzen.
Auch für die Wiesenmahd gibt es einen alten Anhaltspunkt aus der Natur: „Wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst du richten deine Sensen.“ Sobald die Glühwürmchen schwärmen, ist es Zeit für den Wiesenschnitt. Diese späte Mahd hat ihren Sinn: Sie schont die bodenbrütenden Tiere.
Bienen, die vor Johanni schwärmen, die tun des Imkers Herz erwärmen.Traditionelle Bauernregel
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