Wie geht Gesundheit, Dr. Bauhofer?
Krankheiten lassen sich viel besser vermeiden als behandeln! Das ist seit vierzig Jahren die Philosophie des Münchner Arztes Ulrich Bauhofer. Er sagt: „Die Dosis macht das Glück!“
Ulrich Bauhofer verbindet in seiner mittlerweile vierzigjährigen Berufspraxis östliche mit westlicher Medizin, jahrtausendealte Heilverfahren mit aktueller Wissenschaft. Aus diesem ganzheitlichen Schatz an Wissen und Erfahrungen leitet er ganz viele praktische Ratschläge und Ideen ab, die unseren Alltag gesünder und vitaler machen können. Seine Botschaften kommen an: In den sozialen Medien folgen ihm 800.000 Gesundheits-Interessierte. Servus-Redakteurin Maria Dorner traf ihm zum Interview.
Mehr dazu können Sie auch in den Büchern von Dr. Ulrich Bauhofer erfahren: „Mehr Energie – wie wir in Balance leben“ und „Aktiv verjüngen – Selbstheilung aktivieren. Energielevel steigern. Sich fantastisch fühlen.“
Herr Doktor Bauhofer, Sie beschäftigen sich ja nicht nur mit der Medizin unserer Vorfahren, sondern auch mit der neuesten Forschung. Ist es nicht so, dass Gene unsere Gesundheit ohnehin festschreiben? Wie viel Einfluss haben wir überhaupt selbst?
„Sehr viel. Wir wissen, dass Alterungsprozesse nur in geringem Maß genetisch vorgegeben sind. Zu 70, nein, eher sogar zu 90 Prozent bestimmen wir selbst, wie gesund wir altern.“
90 Prozent? Unser wirksamster Medizinschrank ist also unser Verhalten?
„Ja, und wir entscheiden jeden Tag neu, wie wir ihn nützen. Das ist auch die Antwort auf die Frage, wie Gesundheit geht: durch unsere Lebensweise. Es kann uns gelingen, Alltagsgewohnheiten in Gesundheitsstrategien zu verwandeln. In kleinen und machbaren Schritten. Dann sind wir auf dem richtigen Weg.“
Das klingt gar nicht so kompliziert …
„Ist es auch nicht. Gesundheit steht nie für einzelne Maßnahmen, sondern immer für ein bewusst gestaltetes Zusammenspiel täglicher Rituale. In der Summe formieren die sich zum großen, guten Ganzen.“
Das heißt auch, dass uns der eine oder andere Ausrutscher nicht gleich aus der Bahn wirft, oder? Ich denke da an Rotwein und Fruchtgummi.
„Die Dosis macht das Glück. Wir sind Wesen der Natur. Die Natur hat Gesetze, nach denen sie funktioniert. Diese Gesetze verlieren nie an Gültigkeit. Es ist unsere Entscheidung, ob wir mit ihnen oder gegen sie leben. Der Natur ist das egal, die Konsequenzen tragen wir. Vielleicht nicht gleich, aber sicher irgendwann.
Der Natur ist das egal, die Konsequenzen tragen wir.Dr. Ulrich Bauhofer
Ich finde es gar nicht so leicht, die gute Gewohnheit vom Ausrutscher zu unterscheiden. Gestern Abend hatte ich drei Gläser Wein, ein gutes Gespräch mit einer Freundin, nicht allzu viel Schlaf – und heute geht es mir wunderbar.
„Natürlich, weil Sie mit Ihrer Freundin eine tolle Zeit verbracht haben. Das ist wesentlich für Ihr Wohlbefinden. Aber der Rotwein? Hm. Wir wissen heute, dass eigentlich jeder Tropfen Alkohol einer zu viel ist. Das heißt nicht, dass Ihr Körper die drei Gläser nicht ausgleichen kann, Ihr System ist unglaublich anpassungsfähig und hat tolle Regenerationssysteme. Aber wenn Sie jeden Abend Ihre Flasche Wein trinken, wird das auf Dauer nicht gut sein.“
Worauf kommt es noch an, ganz konkret?
„Schlafen Sie genügend! Ein Riesenthema, das viele maßlos unterschätzen. Sieben bis neun Stunden pro Nacht sollten es sein, damit die Reinigungsvorgänge im Gehirn ungestört stattfinden können.“
Wovon wird unser Gehirn nachts gereinigt?
„Von Abfall. Man glaubt nicht, was da zusammenkommt! Bis zu sieben Gramm pro Tag, das macht aufs Jahr gerechnet zweieinhalb Kilo Müll. Die müssen raus!“
Wie kommt so viel Müll in unser Gehirn?
„Unser Gehirn macht nur zwei Prozent des Körpergewichts aus, verbraucht aber 25 Prozent unserer Energie. Das bedeutet einen sehr hohen, intensiven Stoffwechsel, und der produziert Abfallstoffe. Die wir eben nur im Schlaf rauskriegen.“
Verstanden. Wie schlafen wir mehr?
„Das ist die große Herausforderung. Wir haben uns eine Welt geschaffen, die anders funktioniert, als die Natur es vorgibt. Früher gab es keine Elektrizität, wir konnten die Nacht nicht zum Tag machen. Wenn es dunkel wurde, sind wir schlafen gegangen. Wenn es hell wurde, sind wir wach geworden. Das ergibt Sinn, weil der Tag-Nacht-Zyklus unsere Biorhythmen bestimmt. Jede einzelne Funktion in unserem Körper folgt einem Biorhythmus, jede einzelne! Überall in unserem Körper geben Uhren den Takt unseres Lebens vor. Missachten wir diese Uhren konsequent, wirbelt das unsere Biorhythmen durcheinander.“
Unser Wecker ist vermutlich so ein Durcheinanderwirbler.
„Ja. Wenn er uns aus dem Schlaf reißt, ist das so, als würden wir kochen, und mittendrin nehmen wir alles von der Herdplatte, obwohl es noch nicht fertig ist.“
Aber ohne Wecker geht’s ja nicht.
„Es gibt da einen Tipp. Der ist nicht sehr originell, aber grundlegend: Früher schlafen gehen! Und noch mal zum Wein: Der lässt uns vielleicht besser einschlafen, aber er sorgt dafür, dass wir weniger Tiefschlaf haben – und genau der ist die Phase der Müllabfuhr in unserem Hirn.“
Zusammengefasst: Schlaf ist das beste Heilmittel der Welt. Korrekt?
„Eines der wichtigsten, einfachsten, effizientesten, ja. Aber das beste ist für mich die Transzendentale Meditation.“
Transzen… was? Das klingt kompliziert.
„Gar nicht. Es ist eine einfache Meditationstechnik, für jeden Menschen in jedem Alter geeignet. Zweimal fünfzehn Minuten am Tag genügen.“
Womit legen wir los? Wir setzen uns hin und beginnen, uns zu konzentrieren…?
„Im Gegenteil. Hinsetzen ja, aber wir versuchen nicht, uns zu konzentrieren! Gedanken dürfen kommen und gehen, es soll mühelos sein. Dabei hilft ein Mantra, also ein einfacher Laut ohne Bedeutung, den wir im Kopf wiederholen. Wie das genau funktioniert, lernt man in einem Kurs, vier Tage zu je einer Stunde.“
Wir haben uns eine Welt geschaffen, die anders funktioniert, als die Natur es vorgibt.Dr. Ulrich Bauhofer
Was passiert, wenn wir uns regelmäßig hinsetzen, die Augen schließen und im Kopf einen sinnlosen Laut wiederholen?
„Unser Geist wird klar und ruhig, wir kriegen wieder eine Verbindung zu unserem Inneren. Wir werden gelassener und freundlicher mit uns selbst und anderen. Außerdem ist es die beste Strategie, Stress zu bewältigen!“
Was ist denn noch so eine Maßnahme, die unsere Gesundheit besonders gern mag?
„Frisch kochen mit regionalen und saisonalen Zutaten – und viele verschiedene pflanzliche Lebensmittel essen.“
Was packen Sie in Ihren Einkaufskorb?
„Immer Brokkoli, Karfiol, Senf und Radieschen. Sie alle beugen Krebs vor! Besonders in Brokkoli steckt viel von einer wunderbaren Substanz namens Sulforaphan. Wenn wir Brokkoli nach dem Schneiden eine halbe Stunde liegen lassen und dann erst kochen, wird sie maximal aktiviert und entfaltet in den Zellen ihre Heilkraft. Nahrung ist Medizin…“
…und Nahrung zwischendurch wegzulassen, ist auch Medizin – Stichwort Fasten.
”Ja. Fasten aktiviert eine weitere körpereigene Müllabfuhr: Die sogenannte Autophagie ist ein natürlicher Prozess, bei dem sich die Zelle selbst isst, um beschädigte oder verbrauchte Bestandteile zu beseitigen. Dieses Recyclingprogramm läuft kontinuierlich in uns, wir können es aber zusätzlich anstoßen. Dafür müssen wir nicht tagelang hungern, das funktioniert schon nach etwa 16 Stunden. Intervallfasten ist eine gute Lösung.“
Spannend, dass etwas, was so einen negativen Beigeschmack hat wie der Verzicht, so heilsam ist!
„Wer immer mehr und mehr Genuss will, bekommt oft genau das Gegenteil. Gesundheit heißt nicht, dass wir uns Dinge verkneifen müssen und es uns schlecht geht. Gesundheit bedeutet Wohlgefühl.“
Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie als Arzt so gern über Gesundheit reden und so ungern über Krankheit?
„Nach meiner Ausbildung stellte ich mit Schrecken fest, dass ich ausgiebig Wissen über Krankheiten erlangt hatte, aber weit davon entfernt war, das zu sein, was ich eigentlich sein wollte: ein Gesundheitsexperte. Ich wollte immer den Menschen behandeln, nicht seine Krankheiten.“
Wenn man gelernt hat, Krankheiten zu heilen, bedeutet das nicht, dass man auch automatisch weiß, wie Gesundheit geht?
„Gar nicht. Das Therapieren von Symptomen und Funktionsstörungen ist etwas ganz anderes, als Gesundheit zu fördern und dafür zu sorgen, dass sie im Lauf des Lebens gut bleibt – und sich möglicherweise sogar noch verbessert. Mein großes Glück war, dass ich kurze Zeit nach meiner Ausbildung als einer der ersten westlichen Mediziner in Indien mit dem Ayurveda in Berührung kam. Das älteste Medizinsystem der Welt sieht Körper, Geist und Seele als Einheit. Gesundheit kann nur entstehen, wenn alle Elemente im Gleichgewicht sind.“
Was fasziniert einen Bayern an Ayurveda?
„Im Rahmen meiner Doktorarbeit durfte ich mit führenden ayurvedischen Ärzten helfen, diesen kostbaren Menschheitsschatz in einen wissenschaftlichen Kontext zu bringen. Es ist faszinierend, wie unsere westliche Forschung Schritt für Schritt nachweist, was die Ganzheitsmedizin schon seit Jahrtausenden vorlegt.“
Das heißt, die Grundgesetze der Gesundheit sind immer dieselben, egal auf welchem Fleckerl Erde ich lebe?
„Viele glauben ja, der Ayurveda sei eine indische Medizin mit exotischen Therapien, aber nein: Ayus bedeutet „Leben“, veda „Wissen“. Ayurveda ist das „Wissen vom Leben“ – und dieses Wissen existiert überall auf der Welt und in jedem von uns.“
Ich kann also auch nach Ayurveda meinen heimischen Rosenwurztee trinken?
„Natürlich, wir leben ja hier im Alpenvorland, hier wächst jede Menge Gutes – mehr noch, das Beste für uns. Das heißt nicht, dass wir Heilkräuter, die woanders wachsen, nicht verwenden dürfen. Bedienen wir uns an den Schätzen der Natur. Lernen wir, uns wieder selbst zu spüren. Wenn wir wissen, was uns guttut, werden wir alles dafür tun, um uns dieses Wohlgefühl zu bewahren. Es gibt diesen schönen Satz von Goethe: „Ganz leise spricht ein Gott in unsrer Brust.“ Dieser Gott, das ist unsere Körperintelligenz. Wir können uns auf sie verlassen. Wir müssen ihr nur zuhören.“
Über Dr. Ulrich Bauhofer: Ulrich Bauhofer, verheiratet, lebt und arbeitet in München. Schon früh verschob er seinen Fokus von Krankheit zu Gesundheit. „Nach meiner Ausbildung stellte ich mit Schrecken fest, dass ich ausgiebig Wissen über Krankheiten erlangt hatte, aber weit davon entfernt war, das zu sein, was ich eigentlich sein wollte: ein Gesundheitsexperte. Ich wollte immer den Menschen behandeln, nicht seine Krankheiten.“
Diese Informationen stellen keine medizinische oder ärztliche Beratung dar. Bitte beachten Sie die allgemeinen Dosierungsempfehlungen und konsultieren Sie insbesondere bei Beschwerden und Vorerkrankungen Ihren Arzt. Jegliche Haftung wird ausgeschlossen.
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