Beilage

Omas Waldviertler Erdäpfelknödel

Bei Nina Kaltenböcks Oma schmecken auch siebzig Jahre später die Waldviertler Knödel noch spitze. Das Schwein dazu hatte der Opa.

Blauer Email-Kochtopf in dem Kochwasser mit zwei Waldviertler Erdäpfelknödel schwimmen. Daneben steht eine Schüssel mit geschwungenem Goldrand und darin liegen sechs weiter Erdäpfelknödel
Foto: Ingo Eisenhut
Die Waldviertler Erdäpfelknödel machen jeden Schweinsbraten im wahrsten Sinne des Wortes erst so richtig rund.  

Sie haben es mir einfach angetan. Wurscht welche Knödel. Diese Vorliebe geht auf meine zwei Omas zurück. Mamas Mama gehörte der Fruchtknödelfraktion an. Meine Brüder, mein Cousin und ich trafen uns regelmäßig zu Erdbeer-, Marillen- und Zwetschkenknödel-Wettessen. Und weil sie so köstlich schmeckten, waren wir ex aequo kugelfischbäuchige Gewinner.

Die noch intensivere Knödel-Historie liefert jedoch meine Familie väterlicherseits. Papas Eltern habe ich nie kennengelernt, sie sind 1967 gestorben. Aber ich habe durch lebhafte Erzählungen und herzhafte Rezepte die Familiengeschichte quasi einverleibt bekommen – allen voran Omas Variante von Erdäpfelknödeln.

Papas Mama wird von all ihren Kindern als sehr liebevolle, sanfte Frau beschrieben. Zehn Sprösslinge hat Theresia am Vierkanthof in Vitis, einer kleinen Gemeinde im Waldviertel, durchgefüttert.

Höhepunkt für die Meute: wenn Oma am holzbefeuerten Ofen Schweinsbraten mit Waldviertler Knödeln zauberte. Die Knödel machte sie jeweils zur Hälfte aus rohen und gekochten Erdäpfeln, die sie von ihrem kleinen Acker hinterm Haus hatte. Wer Waldviertler Knödel nicht für eine große Kinderschar kocht, braucht für vier bis sechs Personen ein Kilo Erdäpfel sowie 20 Gramm Stärkemehl.

Meine Tanten Resi, Hermi und Mitzi, die Omas Knödel in den 1980ern für meine Brüder und mich nachkochten, schworen auf die Sorte Ditta (im Gegensatz zum klassischen Rezept festkochende). Die rohen Erdäpfel haben sie fein gerieben und die gekochten gepresst. Anschließend wurden beide Massen gemeinsam mit dem Stärkemehl und etwas Salz vermengt und zu Knödeln geformt.

Tante Theresias Geheimtipp

Wenn Theresia die Knödel für ein Dutzend hungrige Mäuler zubereitete, verwendete sie immer Schwefelblättchen, damit der Teig nicht grau wurde, erinnert sich Fritz, mein Papa. Trat der seltene Fall ein, dass Knödel übrig blieben, gab’s am nächsten Tag geröstete Knödel mit Ei, bis heute eine Lieblingsspeise von Papa und mir.

Und da sind wir nicht heikel, um welche Variante es sich handelt – da gehen Waldviertler, Semmel- oder „Gummiknödel“ aus gekochten Erdäpfeln.

„Opa, das hitzige ‚Häferl‘“

Trotz der großen Liebe zur Beilage spielte diese für meine Verwandten nur eine kohlenhydratreiche Nebenrolle, denn zu den Knödeln wurde Schweinsbraten mit einer – wichtig! – extraknusprigen Schwarte gereicht.

Dafür war Theresias Mann Franz zuständig, als Fleischhacker des Ortes und Feinspitz des Hauses ausgestattet mit einem Asbest-Rachen der Sonderklasse. Kam das Essen nicht brennheiß auf den Tisch, ist dem ansonsten gutmütigen Franz ordentlich die Hutschnur gerissen.

Hinterm Heustadl hatten meine Großeltern eine Kuh, Hühner und Schweine. Was nicht für die Kinder reserviert war, haben sie in ihrer Fleischhauerei verkauft. Wie meine Oma die Kinder und den Laden geschupft hat, als Opa unter Karl I., dem letzten Kaiser von Österreich, Fleischhauer für die Soldaten war, ist mir ein Rätsel.

Das vergilbte Foto von Opa beim Kaiser hat meine Cousine Andrea vor einiger Zeit zutage gefördert. Dazu zig Fotos von Oma – mit ihrem warmherzigen Lächeln und ihren im Nacken gebundenen Tüchern. Wenn’s Knödel gibt, denk ich immer an die beiden. An Opa, das hitzige „Häferl“, und Oma, die personifizierte Sanftmut.

Zur Autorin: Nina Kaltenböck war Regisseurin und Gestalterin der Serie „Die reisende Küche“ für ServusTV und verantwortet nun die Österreich-Ausgabe des Magazins „The Red Bulletin“. Freunde bezeichnen sie als Feinspitz und Fressmaschine.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Jänner 2021 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Gesamtzeit
5 Portionen 1 Stunde
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Zutaten
1 kg mehlige Erdäpfel
20–25 g Erdäpfelstärke
Salz
2 Eidotter
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Zubereitung
  1. 400 g Erdäpfel in der Schale weich dämpfen.

  2. Inzwischen restliche Erdäpfel schälen und fein raspeln. Erdäpfelraspel in einem Sieb kräftig auspressen und den Saft in einer Schüssel auffangen. Erdäpfelsaft 15 Minuten stehen lassen, bis sich die Stärke am Schüsselboden gesammelt hat.

  3. Heiße Erdäpfel ausdampfen lassen, schälen und durch eine Erdäpfelpresse drücken.

  4. Erdäpfelsaft behutsam abgießen und die entstandene Stärke mit Erdäpfelstärke und -raspeln in einer Schüssel vermischen. Salz, gegarte Erdäpfel und Dotter zugeben und alles gut vermengen.

  5. Aus der Masse sechs bis acht Knödel formen und in Salzwasser unter dem Siedepunkt ca.15–20 Minuten ziehen lassen.

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