Vorspeise

Stosuppe

Am schwierigsten fallen die einfachsten Dinge: Ein gerader Strich auf einem Blatt Papier. Eine Torte unter Brüdern gerecht aufteilen. Eine Suppe mit nur sieben Zutaten – aber die verrät uns heute Robert Sperl – das Lieblingsrezept seiner Großmutter.

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Foto: Eisenhut & Mayer
Diese Suppe mit Kümmel und Erdäpfeln ist ein Traditionsgericht.  

Meine Großmutter mütterlicherseits war eine lebenskluge Frau. Während mein Großvater einen Feitel brauchte, um Dinge zuzuspitzen, reichte ihr ein lakonisch in die Welt geworfener Satz. Die hot an Hintern wia a Reindl um 50 Gulden, wann ’s G’schirr billig ist. End gültiger, aber trotzdem noch charmant hat nie jemand über die Anna Tant’ gelästert.

So präzise meine Großmutter ihre Wortbilder setzte, so beiläufig arbeitete sie in der Küche. Keine Waage, wenn sie Grieß für den Schmarrn portionierte, kein Messhäferl, wenn es um Milch und Essig ging, kein Löffel, wenn Muskat und Zimt für die finale Finesse gefragt waren.

Das Maß für Salz und Pfeffer waren Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand, abgeschmeckt wurde von den Essenden: „Heit is’ wieda guat.“

Die Stosuppe: so einfach wie schwierig

Um was mitzukriegen, hieß es: Augen auf wie ein Haftlmacher. Und weil ich Großmutters Stosuppe besonders mochte – in die konnte ich mich eingraben –, habe ich besonders aufgepasst, damit sie das Rezept nicht mit in den Himmel nimmt.

  • Die Basis besteht aus gefühlten zwei Teilen Wasser und einem Teil echter Rindsuppe. Dazu ein Schwung Kümmel und das Ganze aufkochen.

  • Jetzt Wasser, Mehl (griffig), sauer gewordene Milch und Sauerrahm glatt rühren. Grad so viel, dass alles noch von selber ins kochende Suppenwasser flutscht.

  • Mit einem Spiralbesen derart einrühren, dass keine Brockerl entstehen. Aufkochen, mit Salz, Pfeffer und süßem Rahm abschmecken, fertig.

Meine Großmutter kontrolliert von oben: Ab und zu gelingt mir die Suppe. Wenn nicht, darf gejammert werden. Die saure Milch nicht auf der Fensterbank sauer geworden. Das Schlagobers nicht von der rahmigen Bauernmilch.

Und ohne die richtigen Erdäpfel ist die Stosuppe sowieso dem Untergang geweiht; wer statt speckiger mehlige nimmt, wendet den Charakter der Stosuppe um 180 Grad – von erfrischend zu doppelt nahrhaft. Die Erdäpfel sind für die Supp’n wia ’s G’wand für die Leich’, sprach meine Großmutter und meinte: Ein Anzug macht aus einem toten Falotten noch keinen Bürgermeister. Mahlzeit.

Zum Autor: Robert Sperl ist Journalist und über seine grenzenlose Liebe zur Hausmannskost unsterblich mit seiner Großmutter verbunden.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im September 2019 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Zubereitungszeit Gesamtzeit
4 Portionen 20 Minuten 40 Minuten
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Zutaten
600 g speckige Erdäpfel
1 l Wasser
1/2 l gute Rindsuppe
2 TL ganzer Kümmel
150 g saure Milch
250 g Sauerrahm
80 g griffiges Mehl
Salz, Pfeffer
100 ml Schlagobers
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Zubereitung
  1. Erdäpfel schälen und in Salzwasser nicht ganz gar kochen.

  2. Inzwischen Wasser und Rindsuppe mit Kümmel aufkochen.

  3. Saure Milch mit Sauerrahm und Mehl glatt verrühren und mit einem Spiralbesen flott in die kochende Suppe rühren.

  4. Suppe 5 Minuten köcheln lassen und mit Salz, Pfeffer und Schlagobers abschmecken.

  5. Die Erdäpfel abschütten und in der Stosuppe fertig ziehen lassen.

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