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Brauchtum

Alte Baumpressen im Burgenland

Im burgenländischen Oggau erlebt eine bereits totgeglaubte Tradition Wiederauferstehung. Winzer Eduard Tscheppe hat zwei uralte Baumpressen zum Leben erweckt.

Handwerk, Braumpresse, Burgenland
Foto: Peter Podpera
Weiße Trauben am Weg in die uralte Baumpresse.

Majestätisch thronen sie im Kellergewölbe, die beiden hölzernen Baumpressen aus einer Zeit irgendwann zwischen 1810 und 1820. „Die letzte Ziffer, die Ziffer nach dem Einser, die kann man auf beiden nicht mehr lesen. Leider“, sagt Edi Tscheppe, der aus der Steiermark ins Burgenland ausgewanderte Winzer.

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Es sind zwei Baumpressen, wie es viele gibt im Burgenland, natürlich auch in Niederösterreich oder in der Steiermark. Und doch unterscheiden sie sich von den anderen. Denn während ähnliche Riesen meist nur noch als Zeugen der Vergangenheit inaktiv in Kellern oder Heurigengärten stehen, sind diese beiden seit 2007 wieder in Betrieb. „Im Burgenland“, sagt Tscheppe, „sind wir die Einzigen, die wieder von Hand pressen.“ Was dabei herauskommt, nennt sich Mechthild und ist ein Weißwein und Bertholdi, das ist der Rote.

Der hohe Zeitaufwand, sie zu bedienen, war es, der die Baumpressen ab den 1950er- Jahren aus der Mode kommen ließ. Ab den 1970ern setzten die Winzer ausschließlich auf mechanische Pressen. „Die verwenden wir natürlich auch“, sagt Tscheppe, „aber eben nicht nur. Es geht beim Wein ja auch um die Ursprünglichkeit. Man hat beim Pressen von Hand einen noch intensiveren Bezug zum Rebensaft, außerdem ist der Vorgang extrem schonend.“

Wein, Weinpresse, Burgenland, Edi Tscheppe, Brauchtum
Foto: Peter Podpera
Wenn Edi Tscheppe seine alten Baumpressen anwirft, dann wird aus den weißen Trauben ein Wein namens „Mechthild“ und aus den roten „Bertholdi“..

Der Methusalem im Kamptal

Nördlich der Alpen wurden die Baumpressen vermutlich direkt von den Römern übernommen. Zudem gibt es auch in mittelalterlichen Handschriften Abbildungen von Baumkeltern, die fast unverändert bis ins 20. Jahrhundert als Traubenpressen eingesetzt wurden. Wenn die Baumpressen entsprechend groß waren, konnte man mit ihnen einen Pressdruck erzeugen, der dem moderner Geräte kaum nachsteht.

Bereits im 14. Jahrhundert sind Baumpressen auch in schriftlichen Quellen erwähnt. Demnach standen sie anfänglich im Freien, in der frühen Neuzeit errichtete man Gebäude um sie, damit man die Trauben bei jedem Wetter pressen konnte. Die älteste Baumpresse im deutschsprachigen Raum befindet sich übrigens im Kamptal im Weinschlössl Godfried Steinschaden in Engabrunn. Den Pressbaum ziert die Jahreszahl 1564.

In Gegenden mit intensivem Weinbau sind die Kelterhäuser – abgesehen von den Kirchen – nicht selten die größten historischen Gebäude im Ort, größer als das Rathaus oder die Bürgerhäuser. Und um die Ordnung in den Keltern aufrechtzuerhalten, erließen die Herrschaften Kelterordnungen, die in den Lagerbüchern oder Urbaren aufgezeichnet sind. Oft waren die Herrschaften für den Unterhalt der Keltern verantwortlich und bekamen dafür einen Teil des gepressten Traubensaftes als Gegenleistung.

„Bei uns“, erzählt Tscheppe, „gehörten die Pressen zum Inventar, als wir Gut Oggau übernommen haben. Und sie waren nahezu funktionstüchtig. Nur die Presskörbe mussten wir erneuern.“ Möglich, dass Tscheppe auch manch anderen motiviert, zu den Wurzeln zurückzukehren. „Ich würde mich sehr für ihn freuen. Für den Wein.“

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