Was Christen am Palmsonntag feiern

Kein Palmsonntag ohne Palmbuschen: daher kommt der Brauch.
Brauchtum, Palmbuschen, Ostern, Palmsonntag
Foto: Stefan Knittel
Stolz tragen die Buben und Mädchen am Palmsonntag ihre bunt verzierten Weidenkronen zur Messe.
Foto: Stefan Knittel

Als Jesus am Palmsonntag hinter seinen Jüngern in Jerusalem einritt, warf ihm die jubelnde Menge Palmzweige vor die Hufe seines Esels und rief: „Heil dem König von Israel!“ Schon damals muss das ein seltsamer Anblick gewesen sein. Nicht wegen der Palmzweige – einem König damit den Weg zu bereiten war in der Antike nicht nur in Israel üblich –, sondern wegen des Reittiers, das der Mann aus Nazareth gewählt hatte. Einem König stünde ein stolzes Pferd zu und kein kleinwüchsiges mausfarbenes Langohr. Aber die Szene ist bei Johannes so überliefert. Und sie hat Symbolkraft. Denn das Eselfohlen stand für Frieden und Gewaltlosigkeit. Auf einem Esel zog man nicht in den Krieg.

Symbole des Lebens

Bei den Palmsonntagsprozessionen der vergangenen zwei Jahrtausende war es aber in unseren Breiten deutlich einfacher, einen Esel aufzutreiben, als echte Palmzweige. Dies vor allem zu einer Jahreszeit, in der die Kälte in den Bergen ihren Griff erst langsam wieder lockert. Frostsichere Alternativen waren gefragt. Mit Immergrün war man auf der sicheren Seite. Deshalb kommen in den meisten Palmsträußen Wacholder, Buchs- und duftender Segenbaum vor.

Warum ausgerechnet die gar nicht palmenhaften kuschelgrauen Weidenkätzchen zur wichtigsten Zutat aller Palmgebinde wurden, ist nicht schlüssig überliefert. Vielleicht, weil sich diese ebenso schön streicheln lassen wie das weiche Maulfell eines Eselfohlens? Sicher ist nur, dass sich Weidenkätzchen schon in mittelalterlichen Prozessionsdarstellungen finden.

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Foto: Stefan Knittel
Charakteristisch für den „Lavanttaler Palmbesen“ ist der Griff aus kunstvoll geflochtenen Weiden.

Wie die Palme in der Antike, steht auch die Weide für Leben. Wo sie gedeiht, fließt Wasser, und sie ist eine der ersten Pflanzen, die den Bienen im Frühling als Nahrungsquelle dienen. Reist man in der Fastenzeit durch den Alpenraum und fragt nach, wo Palmsonntagsbräuche lebendig geblieben sind, ist schnell klar: Palmkätzchen gehören überall dazu.

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