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Garten

Würziger Liebstöckel: Geschichte, Anbau und Ernte

Es war ein plumper Übersetzungsfehler, der dem Liebstöckel seinen delikaten Ruf eintrug. Dafür ist seine unverwechselbare Würze über jeden Zweifel erhaben. Lesen Sie, was Liebstöckel im Garten braucht und probieren Sie köstliche Rezepte mit „Maggikraut“.

Garten, Pflanzenporträt, Liebstöckl, Gemüse des Monats
Foto: Eisenhut & Mayer
Liebstöckl ist auch unter dem Namen Maggikraut ein Begriff und gibt besonders Suppen ein kräftiges Aroma.

Liebstöckel – (Levisticum officinale)

  • Volksname: Maggikraut
    Den Beinamen Maggikraut trägt das Liebstöckel (auch Liebstöckl) erst seit dem späten 19. Jahrhundert. 1886 kam die „Maggi“ genannte Gewürzsauce erstmals auf den Markt. Diese selbst enthält übrigens kein Liebstöckel.

  • Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

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Wann ist die Blütezeit von Liebstöckel?

  • Die großen blassgelben Scheibenblüten des Liebstöckls erscheinen von Juni bis Juli. Aus ihnen entstehen im Spätsommer die ebenfalls stark aromatischen Früchte, die wie Fenchelsamen aussehen.

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Wann kann man Liebstöckel ernten?

  • Von Mai bis Oktober erntet man vor allem die jungen, gefiederten Blätter, aber auch Blattstiele, Wurzeln und reife Samen.

Der ideale Standort und Boden für Liebstöckel

Liebstöckel (Levisticum officinale) ist eine mehrjährige, sehr wüchsige Staude und kann bis zu 2 Meter hoch werden. Er braucht daher im Kräuterbeet genügend Platz. Am wohlsten fühlt er sich an einem sonnigen bis halbschattigen Standort.

Der Boden sollte:

  • nährstoffreich und humos,

  • tiefgründig und gleichmäßig feucht, aber nicht staunass

  • und möglichst locker und gut durchlässig sein.

Ein gut mit Kompost versorgter Gartenboden ist ideal.

Liebstöckel richtig aussäen oder teilen

Liebstöckel lässt sich sowohl aus Samen ziehen als auch durch Teilung des Wurzelstocks vermehren.

Aussaat aus Samen

  • Vorkultur: ab Februar/März im Haus

  • Direktsaat im Freiland: ab April, wenn der Boden sich erwärmt hat

  • Samen etwa 1–2 cm tief in die Erde legen und leicht andrücken

  • Keimdauer: etwa 2–4 Wochen

  • Später auf 30–50 cm Abstand vereinzeln, da die Pflanzen sehr groß werden

Vermehrung durch Wurzelteilung

Schneller und zuverlässiger gelingt die Vermehrung, wenn man ältere Pflanzen teilt:

  • bester Zeitpunkt: Frühjahr oder Herbst

  • Pflanze vorsichtig ausgraben

  • Wurzelstock mit einem scharfen Spaten oder Messer in mehrere Stücke teilen

  • jedes Teilstück sollte mehrere Triebe und ausreichend Wurzelmasse besitzen

  • wieder einpflanzen und gut angießen

Welche Pflege braucht Liebstöckel?

Im Kräuterbeet liebt Liebstöckel nährstoffreiche und gleichmäßig feuchte Erde. Damit er kräftig wachsen kann, sollten Sie Folgendes beachten:

Gießen:

  • Beim Gießen sollte die Erde stets leicht feucht gehalten werden. In trockenen Perioden ist es wichtig, den Liebstöckel regelmäßig zu bewässern. Staunässe sollten Sie jedoch unbedingt vermeiden, besonders auf schweren Böden.

Düngen:

  • Vor dem Pflanzen arbeiten Sie am besten reichlich Kompost oder einen anderen organischen Dünger in den Boden ein. Im Frühjahr können Sie eine weitere Gabe Kompost ausbringen, um die Pflanze mit Nährstoffen zu versorgen. Im Topf ist es sinnvoll, etwa alle vier bis sechs Wochen organischen Flüssigdünger zu geben.

  • Liebstöckel zählt zu den Starkzehrern – auf armen Böden bleibt er klein und kümmerlich.

Unkraut und Bodenpflege:

  • Das Beet sollten Sie regelmäßig von Unkraut frei halten, vor allem im ersten Jahr, damit der Liebstöckel sich gut etablieren kann.

  • Den Boden lockern Sie gelegentlich vorsichtig, damit die Wurzeln ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

  • Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Laub hilft zusätzlich, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und Unkraut zu unterdrücken.

Rückschnitt, Blüte und Überwinterung von Liebstöckel

Wenn Sie hauptsächlich die aromatischen Blätter ernten möchten, sollten Sie die Blütenstiele frühzeitig ausbrechen oder zurückschneiden. So steckt die Pflanze mehr Energie in das Blattwachstum.

  • Im Herbst oder zeitigen Frühjahr können alte, verholzte Triebe bodennah zurückgeschnitten werden.

  • Liebstöckel ist winterhart. Die oberirdischen Teile sterben im Winter meist ab, treiben aber im Frühjahr zuverlässig wieder aus.

  • Eine leichte Schicht aus Laub oder Kompost schützt die Wurzeln und versorgt die Pflanze gleichzeitig mit Nährstoffen.

Was kann man mit Liebstöckel alles machen?

  • Wenn ein Rezept als Zutat Stangensellerie verlangt und man keinen zur Hand hat, kann man stattdessen Liebstöckelblätter oder fein gehackte dünne Liebstöckelblattstiele verwenden.

  • Auch die Blattstiele wurden früher als Gemüse gegessen. Es ist einen Versuch wert, das zu probieren.

  • Liebstöckelblätter kann man nicht nur frisch, sondern auch getrocknet und gerebelt als Gewürzkraut verwenden.

Rezepte mit Liebstöckel

Fein gehackt, geben sie Aufstrichen und Suppen, Eintöpfen und Salaten, Kräuterbutter oder Fleischsaucen ein spezielles Curry-Aroma. Nicht umsonst trägt das uralte Bauerngartenkraut, dessen ursprüngliche Heimat im heutigen Iran liegen dürfte, auch den modernen Beinamen Maggikraut. Besonders gut verträgt sich Liebstöckel mit Pilzen, mit den Samen lässt sich Brot würzen. Echte Liebstöckelfreunde essen die jungen Blätter als Blattgemüse.

Auch zur Aromatisierung von sauer Eingelegtem, Likören und Magenschnäpsen beziehungsweise bei der Herstellung eines geschmacksintensiven Kräuteressigs hat Liebstöckl eine lange Tradition.

Welche Aberglauben gibt es rund um den Liebstöckel?

Manches Mal kann sich auch ein ganz und gar unschuldiges Küchenkraut im Lauf der Jahrhunderte einen geradezu legendären Ruf erwerben. Dem Liebstöckel wurde dieses ruhmvolle Schicksal zuteil. Die Zuständigkeiten, die Volksglaube und Volksmedizin diesem stattlichen Doldenblütler mit dem stark aromatischen Duft verliehen haben, lassen sich gar nicht alle aufzählen:

  • In der Steiermark etwa wird Liebstöckl zum Fronleichnamsumzug mitgenommen und geweiht, auf dass es als Schutzmittel gegen Unwetter wirke. Ein Blütenstängel des Liebstöckels gehört im Rauriser Tal in Salzburg zu Mariä Himmelfahrt am 15. August in jeden „Weihbund“, der in der Kirche gesegnet wird, damit das geweihte Küchenkräuterl seine volle Kraft gegen jede Zauberei entfalte.

  • In vielen Gegenden galt Liebstöckel, büschelweise ausgelegt oder in die Fußsohlen eingerieben, als sicherer Schutz gegen Schlangenbisse. Man trank warme Milch durch seine hohlen, röhrenförmigen Stängel und räucherte das Haus damit, um Halskrankheiten und Hustenreiz zu lindern.

  • Man hängte es sich um den Hals, damit es beim Abnehmen helfe, träufelte den Saft des gequetschten Krauts auf Wunden und Geschwüre. Man mischte es dem Vieh unters Futter, wenn es nicht genug Milch gab, und kurierte damit Pferde, die unter Rheuma litten.

  • Der wichtigste Effekt aber, der dem Liebstöckel nachgesagt wird, basiert auf einem sprachlichen Missverständnis. Aus dem ersten Teil seines lateinischen Namens Levisticum officinale zimmerte man sich im Deutschen die unwissenschaftliche Übersetzung Liebstöckel zusammen. So kam das Würzkraut, das etymologisch weder mit der Liebe noch mit einem Stock zu tun hat, zu seinem Ruf als Aphrodisiakum.

  • Schon in der Antike glaubte man, es könne die Potenz und die Lust steigern. Darum heißt es auch in Kärnten Luststöckl oder in Salzburg Luststecken. Vielerorts trugen es Mädchen, die auf Glück in der Liebe aus waren, ebenso bei sich wie Bräute, die sich ehelichen Frieden erhofften.

Egal ob Wurzel, Stängel, Blattwerk, Blüten oder Samen – in der Liebe erfüllte Liebstöckel seine vom Volksglauben auferlegten Aufgaben. Die Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen, und in der Kulinarik liegt seine Bestimmung: Die jungen hellgrünen, gefiederten Blätter der mehrjährigen Pflanze, die im Kräuterbeet bis zu zwei Meter hoch wird und einen Quadratmeter Platz für sich beanspruchen kann, kommen als Würzkraut zum Einsatz.

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