Das traditionelle Räuchern mit Kräutern und Harzen fasziniert immer mehr Menschen. Wir haben die Räucherexpertinnen Eva und Luzia Kilwing in ihrem Räuchermuseum in Altötting besucht.

Eva Kilwing ist Kräuterfachfrau und Expertin für Räucherseminare. Für ihre Räuchermischungen verwendet sie nur die besten Harze und Kräuter, die in ihrer kleinen Manufaktur in Oberbayern professionell zusammengestellt, einzeln kontrolliert und abgefüllt werden. „Düfte sind wichtig. Sie können unseren Alltag enorm verbessern und aufwerten“, sagt Eva Kilwing.

Weihrauch ist mehr als ein Duft

Die Magie der Düfte hat die gebürtige Oberbayerin schon immer interessiert. Viele Jahre lang beschäftigte sie sich mit Ethnologie, Mythologie und Volksbrauchtum, aber auch mit der Traditionellen Chinesischen und der westlichen Medizin. „Seit Menschengedenken werden in allen Kulturen aromatische Pflanzen und duftende Substanzen langsam verglüht“, erzählt sie. „Mein persönliches Ziel ist es, dieses Brauchtum sinnvoll wiederzubeleben.“

Deswegen freut sie sich darüber, dass das Räuchern als Ritual auch bei jüngeren Menschen wieder wichtig ist.

So sieht es auch Eva Kilwings Tochter Luzia, die mittlerweile im Unternehmen mitarbeitet. Für sie ist das Räuchern eine wohlverdiente Auszeit vom Alltag: „Ich bin mit dem Räuchern großgeworden und könnte mir kein Zuhause ohne den wohlbekannten Duft vorstellen. Wo Weihrauch ist, da fühle ich mich gut aufgehoben.“

Luzia und Eva Kilwing teilen die Leidenschaft des Räucherns. (Foto: Raphael Gabauer)

Nur wer verwurzelt ist, kann auch in die Welt hinaus

Der Weihrauch ist ursprünglich das Harz der Bäume. „Bäume sind Urgewächse, wunderbare Wesen und stark verwurzelt. Beim Anzünden wird diese Energie nochmals frei.“ Energie ist auch das, was Eva als Person gut beschreibt. Verwurzelt und trotzdem offen für Neues, ehrlich, mitfühlend und mit einem großen Gerechtigkeitssinn. „Ich wollte schon immer etwas für die Menschheit tun und für die Welt.“

„Ich habe gemerkt, dass es einen anständigen Weihrauch braucht.“

Eva Kilwing, Räucherexpertin

Eva startete mit ihrem Unternehmen in den 1980er-Jahren. Der Ursprungihres Interesses liegt aber in der familiären Imkerei, die bereits in vierter Generation betrieben wird, derzeit noch von ihrer Mutter Anna, 76. Durch diese und auch geprägt vom Bauernhof der Großeltern hatte Eva schon immer einen Bezug zur Natur. Mit 17 begann sie sich dann auch mehr und mehr für die (Heil-)Wirkungen der Kräuter zu interessieren.

Nach dem Betriebswirtschaftsstudium und mehreren Ausbildungen, u.a. in der Chinesischen Medizin, begann sie zunächst mit dem Import chinesischer Heilkräuter. Und bald spezialisierte sie sich auf die Herstellung von Weihrauch. Lange bevor der Weihrauch wieder an Wichtigkeit gewonnen hat, hat Eva versucht, ihr Wissen zu verbreiten.

„Qualität hat für mich etwas mit Ehrlichkeit zu tun.“

Ein anständiger Weihrauch, wie sie ihn nennt, besteht aus qualitativen Produkten, d.h. aus dem Harz selbst, der Myrrhe als auch den übrigen Kräutern, die dazugemischt werden. Wichtig in dem Prozess ist ihr, dass auch mit der Verpackung achtsam umgegangen wird. „Der Mensch braucht die Freude und Schönheit um sich.“ So werden die Mischungen in kleine Gläser oder Kartons verpackt, Plastik wird vermieden.

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In der Werkstatt in Altötting duftet es natürlich nach allen Mischungen. „Man wird hier eingehüllt von den Düften. Es ist, als würde sich ein Balsam über den ganzen Körper legen und die Seele einhüllen.“ Und nicht wenige Leute folgen im Sommer, wenn die Fenster geöffnet sind, den Spuren dieses frischen und weichen Duftes und kommen in die Werkstatt.

Jede Weihrauchsorte, die in der Manufaktur zu finden ist, wird mit sehr viel Liebe zum Detail, Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und fundiertem Hintergrundwissen entwickelt. „Mich erfüllt es mit sehr viel Freude, wenn wir mit unseren Düften den Alltag vieler Menschen positiv unterstützen“, sagt Luzia Kilwing.

Ein duftendes Museum in Altötting

Die Werkstatt der Weihrauchexpertin liegt im oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting. Für die Wallfahrer hat Eva mit einem kleinen Weihrauchmuseum eine weitere Attraktion hinzugefügt. Hier im alten Hotel Post verzaubert sie die Besucher mit der Geschichte und den Düften des wohlriechenden Harzes. Hier wird der Weihrauch in allen Einzelheiten beschrieben: von der Botanik über die Wirkung der Pflanze, von den Bräuchen und Ritualen bis hin zu den Utensilien, die man zum Räuchern braucht. All ihr Wissen stellt Eva in diesen Räumen dar – denn die Form eines Buches ist für sie viel zu starr, wenn sie wieder etwas Neues entdeckt.

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