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Ausflüge

Rund um den Großvenediger – Wahrzeichen des Winters

Um den Großvenediger ziehen sich viele abgelegene Täler. „Heimatleichten“ besucht die Bergsteiger, Aussteiger, Um- und Aufsteiger und erfährt mehr über ihre Vergangenheit und ihren Alltag. Zu sehen am 6.2.2026, ab 20.15 Uhr, bei ServusTV und ServusTV On.

Schneelandschaft mit Bergblick rund um die Neue Prager Hütte
Foto: Eduardo Geller
Eine traumhafte Bergkulisse erstreckt sich rund um die Neue Prager Hütte.

Einer von ihnen ist Wilfried Studer. Gemeinsam mit seiner Frau und Tochter bestieg er 2010 als erste österreichische Familie den Mount Everest. Über 12 Jahre lang bewirtschafteten sie die Neue Prager Hütte – doch nun beginnt für die Familie die letzte Saison. Immerhin feiert Wilfried in Kürze seinen 70. Geburtstag. Auf die „wirklich hohen Berge“ geht er trotzdem noch – und auf den 3.000 Metern rund um die Hütte trägt er generell nur ein T-Shirt, selbst wenn die ganze Schneefräsenmannschaft in voller Wintermontur arbeitet.

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Neue Prager Hütte mit den Wirtsleuten. Fotos: Eduardo Geller

Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt macht sich Schnitzer Manuel Egger-Budemair den perfekten Ausblick vom Virgental für seine Werkstücke zunutze. „Wer etwas sucht, bei dem man nach drei Stunden immer noch nicht weiß, was es ist, der ist bei mir falsch.“ Er sieht sich nicht als Künstler, sondern als bodenständiger Kunsthandwerker. Zwölf-Stunden-Tage taugen dem 30-Jährigen – am liebsten allein in seiner Werkstatt, wo er seine Ruhe hat.

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Wer etwas sucht, bei dem man nach drei Stunden immer noch nicht weiß, was es ist, der ist bei mir falsch.
Manuel Egger-Budemair

Thomas Ludwig hingegen mag es gerne belebt. Jeden Februar feiert er mit seiner Belegschaft Geburtstag. Dabei lassen sie sich nicht lumpen: „Burning Birthday“ nennen sie die Party, und dazu bauen sie, angelehnt an das Festival „Burning Man“ in den USA, hoch oben vor der Essener-Rostocker-Hütte ein Holzmännchen auf. Das ist jedoch eine Ausnahme – den Rest des Jahres arbeitet er als Gastronom, mit deutlich mehr Herausforderungen. „Wenn du glaubst, am Berg oben wird es besser, dann liegst du falsch – erstens nimmst du dich selber immer mit, und zweitens ist hier oben einfach alles aufwändiger!“

Wenn du glaubst, am Berg oben wird es besser, dann liegst du falsch – erstens nimmst du dich selber immer mit, und zweitens ist hier oben einfach alles aufwändiger!
Thomas Ludwig

Auf der anderen Seite des Großvenedigers liegt die Kürsingerhütte. Wirt Siegfried „Sigi“ Karl hat alle Hände voll zu tun, heute ist nämlich Helikopter-Belieferungs-Tag. Dazu kommen immer zahlreiche freiwillige Helfer, über die Sigi sich nur beglückwünschen kann. Speziell am heutigen Tag, denn der Föhn bläst ihm mit 60 bis 90 km/h um die Ohren, dass ihm die Haare zu Berge stehen. Zum Friseur will er erst im Herbst – das reicht.

Dem Helikopter-Piloten reicht es auch, denn bei diesem Wind ist das Fliegen gerade so an der Grenze des Machbaren, und aus der Routinebelieferung wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Obendrauf gab es bei der Materialseilbahn noch ein Problem mit dem Tragseil, und der Strom geht auch noch nicht. Ohne die vielen Freunde wäre das alles unmöglich, meint er. „Das ist nicht wie im Tal unten, hier heroben brauchst du Jeden.“

Siegfried Karl lacht in die Kamera und steht in einer Stube in einer Hütte
Foto: Eduardo Gellner
Helikopterpilot Siegfried Karl braucht am Berg jede helfende Hand, die kriegen kann.
Das ist nicht wie im Tal unten, hier heroben brauchst du Jeden.
Siegried Karl

Ruhiger verhält es sich in Krimml. Hier rauscht nur ein Bruchteil der Wassermassen des Sommers ins Tal. Doch gerade dadurch entfalten die Wasserfälle – die jetzt kein einziger Sonnenstrahl erreicht – ein ganz eigenes, vereistes Spektakel.

Eingefrorener kleiner Wasserfall in der Schneelandschaft in Krimml
Foto: Eduardo Gellner
Wo sonst das Wasser sich unaufhörlich den Weg nach unten sucht, ist jetzt eisige Stille eingekehrt.

Ein paar Kilometer weiter, in Neukirchen am Großvenediger, stellt Thomas Feldbacher traditionelles Holzspielzeug her, das sich selbst in Zeiten von Smartphones noch bestens verkauft. Ein besonderer Renner ist das „Fuchs und Henne“-Spiel, mit dem sich die Bauern hier früher den langen Winter vertrieben. Gespielt wurde um hohe Einsätze, meist um ein ganzes Schwein oder sogar mehr.

Thomas Feldbacher bedient einen Standbohrer
Foto: Eduardo Gellner
Thomas Feldbacher stellt in Neukirchen am Großvenediger noch altes Holzspielzeug nach alter Zunft her.

Mit einem noch höheren Einsatz schleppen zwei nostalgiebegeisterte Paragleiter ihre fast 40 Jahre alten Schirme am Wildkogel bei Bramberg. „Der hat drei Meter Sinken, Minimum“, meint Hartwig Schaffran, während er im pinken Anzug aus den 80ern seinen Schirm auflegt.

  • Das bedeutet: Für zehn Meter Vorwärtsflug sinkt er drei Meter – fast wie ein Fallschirm. Versucht wird es trotzdem, denn die Verrückten sterben nicht aus, rund um den Großvenediger.

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