In 4 Schritten zur Permakultur im eigenen Garten
Kein Gießen und kein Mähen, kein Düngen und kein Baumschnitt. Und trotzdem reiche Ernte. In den geschlossenen Lebensräumen der Permakultur richtet sich die Natur fast alles selbst. Erfahren Sie, wie die naturnahe Form des Gartelns funktionieren kann.
Über Permakultur:
Wie funktioniert Permakultur?
Die Permakultur wurde in den 1970er-Jahren in Australien entwickelt. Basis sind nicht nur spezielle Anbaumethoden, sondern vor allem auch die Philosophie der ökologischen Landwirtschaft. Das Lernen und Nachvollziehen natürlicher Vorgänge im Ökosystem ist ein zentraler Punkt.
Um ein entsprechendes Kleinklima zu schaffen, werden an Hängen Terrassen und Teiche angelegt. Die Feuchtigkeit und auch das Positionieren von wärmespeichernden Steinen verhelfen zu einem milderen Klima. Dadurch wachsen sogar in Höhenlagen wärmebedürftige Kulturen wie Marillen oder Kiwis.
Ein weiteres Grundprinzip ist es, die Pflanzen von Anfang an nicht zu gießen. So werden sie nicht verwöhnt und bilden Wurzeln bis in tiefere Bodenschichten, wo auch in Trockenperioden noch Wasser vorhanden ist.
Was bedeutet Permakultur?
Zerlegt man das Wort Permakultur in seine beiden Bestandteile, lässt sich schon erahnen, wie das System funktioniert:
„Kutur“ in der Landwirtschaft beschreibt ein von Menschen geschaffenes Grünland, egal ob Acker oder Obstplantage.
„Perma“ kommt von „permanent“ (andauernd) und bedeutet bei dieser Methode letztendlich, dass die Pflanzen nicht weiter gepflegt werden müssen, sondern am richtigen Standort sich selbst überlassen werden.
Diesen richtigen Standort gilt es zu suchen oder eben anzulegen. In diesem Sinne könnte man sogar sagen: Permakultur ist so etwas wie Gärtnern für Faule, aber Schlaue.
Permakultur ist so etwas wie Gärtnern für Faule, aber Schlaue.
1. Tiere kümmern sich um Schädlinge, düngen und mähen
Zwischen den Obstbäumen tummeln sich grunzend Schweine. Ihr Dung bringt ausreichend Nährstoffe in den Boden. Auch Schafe verrichten wertvolle Arbeit: Tiere der Rasse Shropshire sorgen bestenfalls für den gemähten Rasen. Diese Schafrasse wird auch in der Christbaumkultur verwendet, denn diese Tiere knabbern keine Bäume an.
Ein weiterer Bestandteil der Tierwelt in der Permakultur sind Bienenvölker, die sich über Weiden mit blühenden Kräutern wie Kamille, Indianernessel, Minze, Rosmarin und Thymian freuen. Borretsch lieben sie ganz besonders. Doch ihr wichtigster Beitrag neben der Honigproduktion ist es, im Frühling die zahlreichen Obstblüten zu bestäuben.
Außerdem ist man gut beraten, Vögel in den Permakultur-Garten zu locken. Eine Vogelmutter fängt etwa 35.000 Insekten, um ihre fünf bis sechs Jungen großzuziehen. Wer braucht sich da also noch um Schädlingsbekämpfung zu kümmern?
2. In Hügel- und Hochbeeten helfen alle Pflanzen zusammen
Das Hügelbeet entsteht aus einem geschlichteten Totholzhaufen, der im Laufe der Zeit durch den Verrottungsprozess immer feiner wird und schließlich in sich zusammenfällt. Darüber kommen Erde und Kompost. Sollen Erbsen oder Bohnen wachsen, steckt man ein Gerüst aus Ästen zusammen. Überdies gedeihen hier noch Kohl, Sellerie und Zucchini gut. Und dazwischen gehen wild die Brennnesseln auf. Sie sind ökologisch äußerst wertvoll, weil sie den Schmetterlingsraupen als Futterpflanzen dienen.
Im traditionellen Hochbeet gedeihen Mais und Bohnen gemeinsam, wobei der Mais den Hülsenfrüchten als Stütze dient. Zwischen den Pflanzen wird das blanke Erdreich mit Rasenschnitt abgedeckt, um Feuchtigkeit zu speichern. Beide Beetformen passen exakt in das System der Permakultur: Es sind in sich funktionierende, nährstoffreiche und pflegeleichte Formen für einen ertragreichen Anbau.
3. Terrassen und Krater als Wärmespeicher
Die Weingärten in der Wachau, aber auch Reis- oder Teekulturen in Südostasien zeigen, dass Menschen schon seit Jahrhunderten Terrassen anlegen, um steile Hänge urbar zu machen. Der positive Nebeneffekt dabei: In den so geschaffenen Nischen wird Wärme gespeichert, und die Pflanzen stehen geschützt. Terrassen vergrößern auch die Wuchsfläche auf den abschüssigen Hängen. Sie erleichtern die Arbeit und bremsen Erosion und Wasserverlust.
Sieben bis zehn Jahre dauert es freilich, bis sich nach einem starken Eingriff wieder ein ökologisches Gleichgewicht einstellt. Im ersten Jahr empfiehlt es sich, unter den Obstbäumen alte Getreidesorten wie Waldstaudenroggen oder Einkorn zu säen. Das unterstützt auch, um Böschungen zu befestigen. Später ist alles bewachsen und hält jedem Unwetter stand. Auch bei Starkregen bleiben Hänge so stabil.
Ein guter Wärmespeicher ist auch das Kraterbeet. Es ist, wie schon der Name sagt, nicht mehr als ein großes, von Menschenhand angelegtes Loch. Im Sinne der Permakultur gilt es, die Wärme einzufangen und das so entstandene Kleinklima zu nutzen. Starke, bisweilen raue Winde blasen oberhalb der Mulde hinweg. Entlang der Einfassung solcher Krater gedeihen selbst in hohen Lagen noch Weinstöcke. Und während im Sommer noch die zarten grünen Kürbispflänzchen um die Wette schlingen, bietet sich später im Herbst im Kraterbeet der Anblick zahlreicher leuchtender und gut ausgereifter Plutzerköpfe.
4. Teiche und Steine befeuchten und entwässern den Garten
MIt Feuchtbiotop lässt sich das Mikroklima besonders gut beeinflussen. Ein Teich verhält sich wie ein Schwamm: Er befeuchtet das naheliegende Erdreich und auch die Luft. Was verdunstet, kann allein das Regenwasser ausgleichen. Das Klima wird spürbar milder, und es gedeihen auch wärmebedürftige Obstarten wie Marillen.
Steine lockern den Boden und wirken wie eine natürliche Drainagierung. Es kommt zu keiner Staunässe mehr, das Wasser zieht gut ab, und das Erdreich kann sich nicht verdichten.
Praktische Permakultur-Tipps
Erdbeeren entwickeln sich neben einem Stein besonders gut, denn der Stein speichert tagsüber die Wärme und gibt sie in der Nacht ab. Die Pflanzen strotzen vor Gesundheit, bilden besonders süße Früchte bei hohem Ertrag.
Aus Haselnussruten, die beim Schnitt anfallen, kann man Tipis als Rankhilfen für die Bohnen bauen. Zusammengebundene Zweige der Waldreben, die an Lianen erinnern, geben dabei ein gutes Bindematerial ab.
Gepflanzt und gesät wird gemischt: Flachwurzler stehen neben Tiefwurzlern, Gemüse wie Rüben, Erbsen oder Erdäpfel neben Kräutern und Getreiden wie Mais, Gerste und Hafer.
Ein Permakulturgarten sollte mindestens 100 m2 groß sein.
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