Maroni: Was steckt hinter der Frucht der Edelkastanie?
Maroni, Kestn, Kästn: Die Früchte der Edelkastanie haben viele Namen und noch mehr Verwendungsmöglichkeiten. Was hinter dem Baum steckt und warum er bis heute so geschätzt wird.
Wer für einen anderen „die Kastanien aus dem Feuer holt“, der erledigt an dessen Stelle eine heikle und unangenehme Sache. Bei der er sich noch dazu die Finger verbrennen kann, so wie die Katze in La Fontaines berühmter Fabel, die vom schlauen Affen zu einem Kastaniendiebstahl aus dem Glutofen überredet wird.
Die Redensart, die aus dieser Geschichte entstand, taucht auch in „Faust II“ auf, in der Johann Wolfgang von Goethe seinen Helden zu Mephistopheles sagen lässt: „Behandelst mich, dass ich, wie jene Katze, dir die Kastanien aus den Gluten kratze.“
Wissenswertes über Maronen in der Übersicht:
1. Was sind Maroni eigentlich?
Maroni sind die Früchte der europäischen Edelkastanie (Castanea sativa), auch Edel- oder Esskastanie genannt. Sie ist die einzige europäische Vertreterin der Gattung Kastanie und gehört zur Familie der Buchengewächse – wie Eiche und Buche.
Ihren Namen verdanken die Früchte dem französischen Wort marron für Braun: Die glänzend braune Farbe ist ihr unverwechselbares Erkennungszeichen. In der Steiermark und im Burgenland kennt man sie auch als „Kestn“ oder „Kästn“.
2. Woher stammt die Edelkastanie und wo wächst sie bei uns?
Die Heimat der Edelkastanie liegt sehr wahrscheinlich im östlichen Mittelmeerraum. Von dort trat sie ihren Weg gen Westen an und spielte bis ins 19. Jahrhundert in manchen südlichen Regionen die Rolle des wichtigsten bäuerlichen Brotbaums.
Der licht- und wärmeliebende Baum gedeiht bevorzugt auf sauren Böden und dort besonders gut, wo auch Weinbau betrieben wird.
In Österreich findet man ihn in Niederösterreich, vor allem aber in der Südsteiermark und im südlichen Burgenland rund um Mattersburg und Oberpullendorf.
3. Wie sieht die Edelkastanie aus?
Ein ausgewachsener Edelkastanienbaum kann mehrere hundert Jahre alt und über dreißig Meter hoch werden. Seine glänzend grünen, länglichen Blätter haben auffallend gezahnte Ränder.
Die Früchte stecken in einer stacheligen Hülle, die zur Reifezeit aufplatzt und den Blick auf zwei bis drei glänzend braune Maroni freigibt.
Geerntet wird hauptsächlich im Oktober.
4. Warum nennt man sie „Tausendsassa“ unter den Kulturbäumen?
Weil kaum ein anderer Baum so viele verschiedene Verwendungsmöglichkeiten bietet:
Holz: Das rötliche Holz dient als Möbelholz, Brennmaterial und liefert die für den Weinbau nötigen Rebpfähle.
Blüten: Aus ihnen wird bernsteinfarbener Honig erzeugt.
Blätter: Sie werden an Schweine verfüttert und zum Färben von Stoffen verwendet.
Früchte: Als Lebensmittel in der Küche vielseitig einsetzbar.
5. Was steckt in der Maroni?
Maroni enthalten weniger Fett und Eiweiß als andere Nüsse, dafür jede Menge Stärke sowie Mineralstoffe, Spurenelemente und die Vitamine B und E. Ihr Nährwert ist beachtlich: 100 Gramm kommen auf rund 170 Kalorien.
6. Sind Maroni glutenfrei?
Ja. Maroni sind von Natur aus glutenfrei und eignen sich daher als Getreideersatz – auch für Menschen mit einer Getreideunverträglichkeit. Aus getrockneten Maroni lässt sich zum Beispiel Maronimehl mahlen, das sich für Brot, Kuchen oder Pasta verwenden lässt.
7. Wie bereitet man Maroni zu?
Bevor Maroni weiterverarbeitet werden, ist ein Schritt unbedingt nötig: Mit einem scharfen Messer an der runden Seite einschneiden, rösten und schälen. So werden sie im Winter auch vom Maronibrater verkauft. In der Küche sind sie ausgesprochen vielseitig:
Als Beilage zu herzhaften Gerichten
Zu Maronicreme, Mus oder Polenta verarbeitet
Zu Pasta oder Mehl weiterverarbeitet
Glaciert als süße Spezialität
Als Grundlage für Likör
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