Viereckige Augen und Kirschbäume im Magen: Welche Ammenmärchen für Kinder stimmen wirklich?
Eltern und Omas haben manchmal ganz schön wilde Theorien. Wir haben die bekanntesten alten Warnungen für Kinder von Ärzten und Expertinnen überprüfen lassen. Ein verklebter Magen und Augen, die stecken bleiben: Mythos oder nicht? Finden Sie es heraus!
Beinahe jedes Kind kennt sie: die Ammenmärchen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Einen Kirschkern verschluckt? Dann wächst bald ein Baum im Bauch. Zu lange ferngeschaut? Viereckige Augen drohen. Und wer zu lange plantscht, soll Schwimmhäute bekommen.
Wir haben 11 dieser Ammenmärchen überprüft – gemeinsam mit einem Kinderarzt, einem Augenarzt, einem HNO-Facharzt, einer Hautärztin, einer Kosmetikerin, einer Friseurin und einem Ernährungsexperten aus Österreich. Manche Warnungen schützen tatsächlich. Andere lassen sich getrost ins Reich der guten Geschichten verbannen.
- Wenn man einen Obstkern verschluckt
- Haare aus dem Gesicht
- Vom Fernseher bekommt man viereckige Augen
- Fingernägel schneiden
- Hör auf zu schielen
- 100 Bürstenstriche für glänzendes Haar
- Nase putzen
- Wenn man einen Kaugummi verschluckt
- Sauer macht lustig
- Vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen
- Wenn man zu lange im Wasser bleibt
Wenn man einen Obstkern verschluckt, wächst ein Baum im Bauch
Beim Kirschenessen kann es leicht passieren, dass man einen Kern verschluckt. Macht aber nix! Der Obstkern wird von der Magensäure nicht verdaut und kommt auf ganz natürliche Weise wieder aus dir raus.
Kinderarzt Dr. Zaunschirm aus Krems gibt aber zu bedenken, dass Kerne eine wenig Blausäure enthalten, die in großen Mengen giftig sein kann. Also lieber spucken statt schlucken!
Haare aus dem Gesicht, sonst verdirbt man die Augen
Haare vor den Augen verursachen keine Sehstörung. In ganz seltenen Fällen können die Haare die Hornhaut verletzen, wenn sie ins Auge kommen, sagt der Linzer Augenarzt Michael Brandecker.
In erster Linie ist es aber einfach nur unangenehm, wenn man ein eingeschränktes Blickfeld hat.
Vom Fernseher bekommt man viereckige Augen
Ein Klassiker unter den alten Weisheiten, den sogar deine Eltern wahrscheinlich schon von ihren gehört haben.
Wahr ist, dass wir oft viel zu lange auf einen Bildschirm starren. Doch keine Sorge, die Form deiner Augen verändert sich dadurch nicht. Sie werden bloß etwas müde und trocken.
Dr. Michael Brandecker, Leiter der Sehschule der Barmherzigen Brüder in Linz, rät, den Augen nach dem Fernsehen eine Auszeit zu gönnen und zum Beispiel draußen eine Runde Fußball zu spielen.
Fingernägel schneiden, sonst wachsen sie ein
Abgekaute, schmutzige oder zu lange Nägel sehen nicht sehr schön aus. Einfach so einwachsen können sie aber nicht, sagt Kosmetikerin Gabriele Kainz aus Velden am Wörthersee.
Je länger Nägel nämlich werden, desto empfindlicher werden sie auch – und brechen leichter ab.
Hör auf zu schielen, sonst bleiben die Augen stecken
Grimassen zu schneiden macht Spaß, aber können Augen wirklich für immer verdreht bleiben? Der Augenarzt gibt Entwarnung: „Egal wie stark man schielt, die Augen können nicht stecken bleiben.“
Der medizinische Fachausdruck für Schielen ist übrigens Strabismus. Und dauerhafter Strabismus kann nur durch Schäden an den Augenmuskeln oder durch langfristiges Abdecken eines Auges entstehen.
100 Bürstenstriche für glänzendes Haar
Friseurin Birgit Happ aus Hall in Tirol hat uns erzählt, dass dieser Spruch schon sehr alt ist. Er stammt aus einer Zeit, in der man sich die Haare nicht so oft wusch, die Drüsen in der Kopfhaut hatten also viel Zeit, Talg zu produzieren.
Beim Bürsten verteilte sich der Talg dann bis zu den Haarspitzen – und das Haar glänzte. Heute ist der Spruch aber nicht mehr gültig, denn wir waschen uns die Haare regelmäßig.
Nase putzen, sonst verstopft dein Gehirn
Erwachsene sehen es gar nicht gern, wenn man mit triefender Nase herumläuft. Und Oma hat sowieso stets ein Taschentuch parat.
Aber hier, liebe Kinder, kommt die endgültige Lizenz zum Schniefen! HNO-Facharzt Christoph Reisser aus Wien empfiehlt nämlich: Hochziehen und – schlucken. So gelangen die Bakterien aus deiner Nase direkt in den Magen, wo sie von der Magensäure sofort vernichtet werden.
Beim Schnäuzen dagegen entsteht Druck, der den ungesunden Schleim in die Nasennebenhöhlen befördert. Das Gehirn zu verstopfen ist übrigens gar nicht möglich, da Gehirn und Nase durch eine Knochenwand getrennt sind.
Wenn man einen Kaugummi verschluckt, verklebt dein Magen
Kaugummis bestehen hauptsächlich aus Kunststoffen. Damit sind sie für unseren Magen unverdaulich. Und alles, was unverdaulich ist, scheidet unser Körper ganz einfach aus.
Dass Kaugummi im Magen kleben bleibt, ist übrigens unmöglich, da er an der feuchten Magenwand nicht haften kann. Probier’s aus: Mach deine Hände nass und versuch, den Kaugummi dranzukleben. Geht nicht, oder?
Sauer macht lustig
Zitronen, Orangen, Kiwis und Co. sind richtige Vitaminbomben. „Aufgrund ihres hohen Vitamingehalts sind diese Früchte sehr gesund und tragen zu unserem Wohlbefinden bei“, sagt Ernährungs- und Sportexperte Dr. Piero Lercher.
Saure Früchte tun unserem Körper gut – und wenn wir gesund sind, fühlen wir uns wohl und lachen mehr. Sauer macht also tatsächlich lustig.
Vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen
Überlegen Sie einmal, wie oft und wofür Sie Ihre Hände im Laufe eines Tages verwenden: den Hund streicheln, sich im Bus festhalten oder jemandem die Hand schütteln – bei all diesen Tätigkeiten bleiben Bakterien und Viren an Ihren Händen haften. Diese kleinen Erreger sind besonders widerstandsfähig.
Waschen Sie Ihre Hände nicht regelmäßig, verteilen Sie sie überall weiter und können sich selbst oder andere damit anstecken. Diese Regel hilft Ihnen also, gesund zu bleiben.
Wenn man zu lange im Wasser bleibt, wachsen einem Schwimmhäute
Diesen Satz verwenden Eltern gerne, um Kinder aus der Badewanne oder aus dem Schwimmbecken herauszuholen. Dabei macht das Plantschen so viel Spaß! Und davon wachsen Schwimmhäute – wie bei einem Frosch?
Nie und nimmer, erklärt Hautärztin Verena Beck aus Wien. „Die Haut trocknet im Wasser lediglich aus, und die oberste Hautschicht wird aufgeweicht – daher bekommt man schrumpelige Fingerkuppen“, erklärt sie. Prinzipiell kann aber nirgends Haut wachsen, wo vorher keine war.
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