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Brauchtum

Törggelen in Südtirol – der uralte Herbstbrauch zwischen Eisacktal und Etsch

Wenn erst der Suser verkostet wird und dann der Nuier, dürfen die Keschten nicht fehlen. Törggelen in Südtirol ist eine uralte Tradition, die den Gaumen erfreut und auch die Seele bei Laune hält.

Südtirol, Törggelen
Foto: Peter Podpera
Kulinarische Reise durch Südtirol zum Törggelen.

Die Tage werden kürzer, die Luft glasklar, die Berge rücken ein Stück näher. In den Stuben der Südtiroler Buschenschanken biegen sich die Tische: Schüttelbrot, Kaminwurzen, Speckknödel, Schlutzkrapfen. Dazu ein Glas Susser, der junge Most, der nach ein paar Wochen als Nuier ausgeschenkt wird. Und zum Abschluss: die gebratenen Keschten, die Kastanien, frisch aus der Pfanne. Das ist Törggelen – ein Brauch, der im Eisacktal seinen Ursprung hat und der heute von Oktober bis in den frühen Advent gelebt wird. Was dahintersteckt, wie er entstanden ist und was auf den Tisch kommt:

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1. Was bedeutet Törggelen eigentlich?

  • Das Wort Törggelen leitet sich von Torggl ab – das ist die Traubenpresse im Kelterraum. Törggelen bedeutet ursprünglich nichts anderes als das Verkosten des neuen Weines. Heute steht der Begriff für einen ganzen Herbstbrauch: geselliges Beisammensein, deftige Küche, junger Wein und geröstete Kastanien, die Keschten.

  • Die Einheimischen nennen diese Zeit schlicht die fünfte Jahreszeit – jene Wochen zwischen dem ersten neuen Schluck Wein und dem frühen Advent, die im Oktober beginnen und im November enden.

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2. Wie das Törggelen entstanden ist

Die Geschichte des Törggelen reicht rund 150 Jahre zurück. Damals diente der Brauch vor allem als beruflicher Erfahrungsaustausch unter den Weinbauern, oft eher förmlich als gemütlich. Mit der Zeit begann man, Nachbarn, Verwandte und Freunde einzuladen. Die Verkostung fand zunächst in den Kellern statt, wo die Weinpresse stand – anschließend setzte man sich mit Wurst und Speck in der Stube zusammen.

Das Meraner und Bozener Bürgertum brachte das Törggelen in seine heutige Form. Um 1900 begannen die wohlhabenderen Stadtbewohner, im Herbst die Weinbauern aufzusuchen, um den besten Wein für das kommende Jahr auszuwählen. Die Winzer deckten bei dieser Gelegenheit üppig auf. Die Touristen entdeckten den Brauch dann in den späten 1950er-Jahren.

Als Ursprungsgebiet gilt das Eisacktal – jenes Tal, das sich vom Brenner bis zur Mündung des Eisack in die Etsch bei Bozen erstreckt. Dass ausgerechnet hier der Brauch verwurzelt ist, erklärt sich durch eine alte Form des Tauschhandels: Die wenigen Weinbauern des Eisacktales, die ihre Tiere auf die Weiden der Bergbauern schickten, revanchieren sich im Herbst mit einem Bauernschmaus und Flaschen des neuen Weines.

Eine zweite Erklärung ist schlichter: Den Erntehelfern wurde nach der Saison mit einem großen Festessen gedankt.

Diese Köstlichkeiten dürfen nicht fehlen, wenn in Südtirol die fünfte Jahreszeit angebrochen ist.

3. Warum Wein und Kastanien zusammengehören

Dass Keschten und Wein beim Törggelen so eng miteinander verbunden sind, verdankt Südtirol den bajuwarischen Prälatenklöstern. Diese besaßen im Mittelalter ausgedehnte Weingüter in Südtirol und produzierten Messwein sowie sogenannten Zechwein.

Der wachsende Bedarf an Kastanienholz für die Fässer brachte auch die Früchte ins Blickfeld: Aus ihnen bereitete man Kestn und Fiseilnsuppn – Suppen aus Kastanien und Bohnen –, die in Klosterküchen als Fastenspeisen bekannt und beliebt waren. So entdeckten die Benediktiner bald die alte Verbindung zwischen gerösteten Kastanien und jungem Wein.

4. Törggelen heute: Tradition mit Zukunft

Längst ist das Törggelen zur überregionalen Attraktion geworden. Gäste aus aller Welt reisen in den Herbst nach Südtirol, wenn die fünfte Jahreszeit anbricht. Und dennoch: Das Ursprüngliche ist, trotz des großen Andrangs, weitgehend erhalten geblieben – die einfachen Stuben, die schweren Tische, der junge Wein.

Törggelen in Südtirol: Speck schneiden, geröstete Keschten, Weintrauben und roter Nuier auf einem rustikalen Holztisch.
Foto: mauritius images / Udo Bernhart
Speck, Keschten, ein Glas junger Wein und der Duft von Herbst – so sieht Törggelen in Südtirol aus.

5. Was beim Törggelen auf den Tisch kommt

Ein ausgiebiges Törggelen umfasst heute:

Speise

Beschreibung

Schüttelbrot

Hartes, knuspriges Fladenbrot aus Roggenmehl

Kaminwurzen

Frische Hauswürste, luftgetrocknet

Blutwürste

Herzhaft und würzig

Schweinerippen mit Kraut

Deftiger Klassiker

Gerstensuppe mit Fleischeinlage

Sättigend und aromatisch

Speck- und Käseknödel

In Südtirol unverzichtbar

Schlutzkrapfen

Teigtaschen mit Spinat und Topfen, übergossen mit brauner Butter

Süße Krapfen

Zur Abrundung

Keschten

Gebratene Kastanien – der krönende Abschluss

Dazu: Suser (der frisch gepresste Most) und Nuier (der junge Wein nach einigen Wochen Reife). Südtirols Rebsorten Vernatsch, Sylvaner, Gewürztraminer und Lagrein sind dabei die klassischen Begleiter. Wer den Hunger besonders redlich verdienen möchte, unternimmt vorab eine ausgedehnte Wanderung – verpflichtend ist das freilich nicht.

6. Törggelen-Rezepte für zu Hause

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