Clematis schneiden: So blüht die Kletterpflanze Jahr für Jahr
Ob Frühblüher oder Sommerblüher: Wie und wann man Clematis schneidet, hängt von der Blütezeit ab. Alle Schnittarten, Zeitpunkte und Anleitungen für die Waldrebe im kompakten Überblick.
1. Alle Schnittarten und Zeitpunkte im Überblick
Blütezeit | Schnittart | Bester Termin |
|---|---|---|
Frühblühende Arten | Pflanzschnitt | nach der Pflanzung |
Erhaltungsschnitt | nach der Blütezeit im Mai/Juni | |
Verjüngungsschnitt | November bis Ende Februar | |
Sommerblühende Arten | Pflanzschnitt | nach der Pflanzung / im folgenden Frühjahr |
Erhaltungsschnitt | November bis Januar | |
Verjüngungsschnitt | November bis Januar | |
Zweimal blühende Arten | Pflanzschnitt | nach der Pflanzung / im folgenden Frühjahr |
Erhaltungsschnitt | November bis Januar sowie im Juni | |
Verjüngungsschnitt | alle 5 Jahre, November/Dezember |
Gut zu wissen:
In Österreich gibt es kein bundesweit einheitliches Verbot, Gehölze zu bestimmten Zeitpunkten radikal zu schneiden, da Naturschutz überwiegend von den Bundesländern geregelt wird. Dennoch dürfen brütende Vögel, Nester und andere geschützte Tiere bzw. ihre Lebensstätten nicht beeinträchtigt werden; außerdem können je nach Bundesland oder Gemeinde zusätzliche Baumschutzvorschriften und Bewilligungspflichten gelten. Informieren Sie sich jedenfalls vorab.
Seit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes (2010) ist es in Deutschland verboten, zwischen dem 1. März und dem 30. September Gehölze radikal zu schneiden. Der Grund ist der Schutz brütender Vögel und anderer wildlebender Tiere. Leichte Pflegeschnitte, die keine Tiere stören oder vertreiben, sind erlaubt.
2. Pflanzschnitt für alle Clematis beim Einsetzen
Unabhängig von Blütezeit und Sorte braucht jede frisch gepflanzte Clematis einen Pflanzschnitt. Er legt die Grundlage für eine dicht verzweigte Strauchbasis – eine Struktur, die sich durch spätere Schnitte kaum mehr nachholen lässt.
So geht's:
Alle Triebe zurückschneiden auf 20–30 cm über dem Boden
Schnitthöhe so wählen, dass ein Knospenpaar stehen bleibt
Bester Zeitpunkt: direkt nach der Pflanzung
Containerpflanzen, die im Sommer eingepflanzt werden: Pflanzschnitt im November oder Dezember nachholen, spätester Termin Februar/März nach dem Pflanzjahr
Richtig schneiden: Clematis haben gegenständige Knospen. Die Schere setzt idealerweise 3 bis 5 Millimeter oberhalb eines Knospenpaares an, leicht schräg davon weg, damit Regen- und Gießwasser schnell abläuft. Wird zu nah oder in die Knospen hinein geschnitten, trocknen diese ein und sterben ab.
3. Frühblühende Clematis schneiden
Bekannte Frühblüher sind die Alpen-Waldrebe (Clematis alpina), die Berg-Waldrebe (Clematis montana) und die meisten Wildarten. Sie blühen im Frühjahr an Trieben, die das Vorjahr gebildet hat – ihre Knospen legen sie häufig direkt nach der Blütezeit an. Ein Rückschnitt vor oder während der Blüte würde diese Knospen zerstören und die nächste Blütezeit ausfallen lassen.
Frühblühende Arten bleiben von Natur aus viele Jahre lang vital. Ein regelmäßiger Rückschnitt steht daher nicht auf dem Pflegeprogramm. Erst wenn sie zu groß werden, spärlich blühen oder von unten verkahlen, ist ein Eingriff sinnvoll.
Erhaltungsschnitt:
Bester Zeitpunkt: während des Verblühens, spätestens bis Juni
Zu lange, verkahlende oder beschädigte Triebe um ein Drittel bis zur Hälfte kürzen
Oberhalb eines nach außen gerichteten Knospenpaares schneiden
Abgestorbene Äste am Ansatz entfernen
Verjüngungsschnitt (bei Bedarf):
Bester Zeitpunkt: November bis Januar, alternativ bis 1. März
Zunächst Totholz auslichten
Verbliebene Triebe auf 30–60 cm zurückschneiden, oberhalb von Knospen oder schlafenden Augen ansetzen
Nach dem Schnitt: 3 Liter reifen Laubkompost mit 100 g Hornspänen je Quadratmeter Wurzelscheibe einbringen, gut wässern
4. Sommerblühende Clematis schneiden
Sommerblühende Waldreben wie die Italienische Waldrebe (Clematis viticella), die Gold-Waldrebe (Clematis tangutica) und die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba) blühen von Juni bis Oktober – und zwar ausschließlich an den diesjährigen Trieben. Je länger ein neuer Trieb im Sommer wachsen kann, desto mehr Blüten trägt er. Ein kräftiger Rückschnitt im Winter ist deshalb ausdrücklich erwünscht.
Erhaltungsschnitt:
Bester Zeitpunkt: November bis Januar
Alle Triebe rigoros auf 10–30 cm zurückschneiden
Abgeschnittene Äste vorsichtig aus der Rankhilfe herausziehen
Hinweis zur veränderten Terminempfehlung: Durch die Klimaerwärmung plädieren Fachleute heute für einen früheren Schnitt. Mildes Winterwetter führt zu frühzeitigem Austrieb, der bei einem Schnitt im Februar bereits der Schere zum Opfer fiele.
Tipp für eine zweite Blüte: Beendet eine sommerblühende Clematis ihre Blütezeit bereits im Juli, lässt sie sich Anfang August erneut zurückschneiden – Mitte September erblüht sie dann ein zweites Mal.
Staudenclematis (z. B. Clematis integrifolia) klettert nicht und verholzt nicht, sie friert im Winter zurück. Pflegemäßig wird sie wie sommerblühende Kletterarten behandelt: Rückschnitt auf 20 cm zwischen November und Januar.
Verjüngungsschnitt (bei vernachlässigten Pflanzen):
November/Dezember: alle Triebe auf 20 cm kürzen
Nicht bodennah abschneiden – die Triebe würden sonst bis zu den Wurzeln eintrocknen
Auch wenn danach keine Bodentriebe sichtbar sind: weiter wässern und düngen; im nächsten oder übernächsten Frühjahr treibt die Pflanze wieder aus
5. Zweimal blühende Clematis schneiden
Zweimal blühende Hybriden – vor allem solche mit gefüllten Blüten – erblühen im Mai/Juni an kurzen Trieben des vorjährigen Holzes und ein zweites Mal von August bis September an den diesjährigen Langtrieben, dann als einfache Blüten.
Erhaltungsschnitt:
Erster Schnitt (November bis Januar):
Kletterranken um ein Drittel bis ein Viertel einkürzen
Schwachwüchsige Sorten um die Hälfte zurückschneiden
Variable Schnitthöhen fördern eine bessere Verteilung der Blüten
Zweiter Schnitt (Juni):
Verwelkte Blüten abschneiden bis zum nächsten Blattpaar
Die Pflanze investiert dann keine Energie in Samenstände, sondern in neue Blüten
Verjüngungsschnitt (alle 5 Jahre):
Alle Triebe auf 30–50 cm zurückschneiden, möglichst an schlafenden Augen
Totholz nicht bodennah kappen, sondern auf 20 cm belassen
Anschließend konsequent wässern und düngen; Neuaustrieb zeigt sich im nächsten oder übernächsten Frühjahr
6. Clematiswelke: Der Rettungsschnitt
Färben sich mitten im Sommer die Blätter braun und die Pflanze bricht welk zusammen, ist der Clematiswelke-Pilz die häufigste Ursache. Gegen den Pilzerreger gibt es bislang kein wirksames Bekämpfungsmittel.
Was hilft:
Pflanze bis auf etwa 10 cm über dem Boden zurückschneiden
Schnittgut entsorgen – nicht in den Kompost
Anschließend gut düngen und auf gleichmäßige Wasserversorgung achten
Gut gepflanzte Waldreben treiben aus den unterirdischen Knospenpaaren wieder aus
Die Clematiswelke betrifft vor allem großblütige Hybridsorten. Wildarten und die Italienische Waldrebe (Clematis viticella) sowie daraus hervorgegangene Sorten sind von der Krankheit weitgehend verschont.
Vorbeugung durch tiefes Pflanzen: Wer beim Einsetzen ein bis zwei Knospenpaare im Erdreich belässt, sichert sich eine Reserve – aus ihr treibt die Pflanze nach dem Rettungsschnitt wieder aus.
7. Die drei häufigsten Schnittfehler bei Clematis
Die gute Nachricht zuerst: Clematis verzeiht Schnittfehler in den meisten Fällen – dank einer gutmütigen Schnittverträglichkeit lassen sich die häufigsten Irrtümer innerhalb kurzer Zeit wieder ausbügeln.
Schnittfehler | Folge | Vorbeugung / Korrektur |
|---|---|---|
Frühblühende Arten im Spätwinter geschnitten | Totalausfall der diesjährigen Blütezeit | Frühblüher erst im Mai/Juni nach der Blüte schneiden |
Sommerblühende Arten nie geschnitten | Wenige Blüten, vorzeitige Vergreisung | Sommerblüher jedes Jahr kräftig zurückschneiden |
Kein Pflanzschnitt nach dem Einsetzen | Spärliche Verzweigung an der Strauchbasis | Nach der Pflanzung alle Triebe auf 20–30 cm einkürzen |
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