Anzeige

Garten

Clematis: die Kletterpflanze richtig schneiden

Die Waldrebe oder Clematis fühlt sich überall dort wohl, wo sie hoch hinaus kann. Mit verschwenderischer Blütenpracht überzieht das sortenreiche Lianengewächs Pergolen, Zäune und Wände.

Garten, Gartenwissen, Pflanzenwissen, Pflanzen, Blumen, Clematis, Mauern
Foto: Unsplash
Clematis sind in ihren Ursprüngen Kinder des Waldes, sie mögen es, wenn die Triebe in der Sonne sind und die Füße im Schatten.

Die Bandbreite der Clematis ist enorm. Sie reicht von Sonnenkindern bis zu Schattengewächsen, von flatterhaft feinem zu festfleischigem Laub, von kniehohen bis zu zehn Meter hoch rankenden Arten und von tiefen, tulpenförmigen oder glockigen Blüten bis zu flachen, sternförmigen. „Diese Vielfalt ist es auch, die mich an den Waldreben besonders fasziniert“, schwärmt die Gärtnerin Irmgard Herian, Clematis-Expertin im bayerischen Unterliezheim.

Vor allem den Besonderheiten und Wildformen der Pflanze gehört ihr ganzer Enthusiasmus. Etwa der Staudenclematis, die im Sommer überhängend blüht, nicht klettert und sich gut als Unterpflanzung von Rosen macht. Oder auch jenen Arten, die den wunderschönen, silbrigen Fruchtschmuck reichlich ausbilden, wie den Alpen-, Berg- oder Goldwaldreben.

Anzeige

Der rettende Schnitt

Wenn sich mitten im Sommer die Blätter der Waldrebe braun färben und die ganze Pflanze welk wird, hat der Clematiswelke-Pilz zugeschlagen.

Servus Mondpost
  • Dann hilft es nur, die Pflanze bis auf 10 cm zurückzuschneiden und das Schnittgut zu entsorgen.

  • Richtig gepflanzte Waldreben treiben wieder kräftig aus.

  • Die Clematiswelke ist nur bei den großblumigen Hybridsorten ein Problem. Wildarten sind diesbezüglich viel robuster.

So fühlen sich Clematis auch in Trögen und Töpfen wohl

Man kann Waldreben auch in Gefäße pflanzen. Alpenwaldreben, Italienische Waldreben und Staudenclematis eignen sich dazu sehr gut; starkwüchsige Arten sind nicht zu empfehlen.

So geht’s:

  • Ein Gefäß mit mindestens 20 Liter Volumen – je größer, desto besser – und ausreichenden Abzugslöchern mit einer etwa 5 cm hohen Drainageschicht aus Kies oder Blähton füllen.

  • Ein Stück Vlies darüber schützt vor Verschlämmung. Nun folgt grob strukturierte, gute Kübelpflanzenerde mit Langzeitdünger (keine lehmige Gartenerde), in die 1–2 Augenpaare tiefer als im Verkaufstopf gepflanzt wird.

  • Eine Rankhilfe gibt der Pflanze Halt. Gefäß im Winter mit Noppenfolie oder Schilfmatten und Reisig vor Frost und zu viel Nässe schützen. (Schilfmatte oder Folie um den Topf wickeln, Reisig dazwischenstopfen und auch Zweige obenauf legen.)

Konkurrenz fernhalten

Wer es sich aussuchen kann, setzt Clematis im Herbst. Die Pflanzen haben dann Zeit, gut einzuwurzeln, und starten im Frühjahr gleich kräftig durch. „Wichtig ist es“, so Irmgard Herian, „die Pflanzen tief genug zu setzen. Die ersten ein bis zwei Augenpaare des Triebes müssen noch mit in die Erde.“

Falls es dann einmal zur Clematiswelke kommen sollte, kann man die Pflanze bodeneben abschneiden, und sie treibt aus den untersten Augenpaaren wieder aus. Im Boden ist für Clematis weiters eine Wurzelsperre empfehlenswert, denn sie sind empfindlich gegen Konkurrenz.

  • Einfachste Variante: Man schneidet von einem großen, alten Kunststofftopf den Boden weg und setzt die Pflanze in diesen begrenzenden Ring. Clematisarten wurzeln schmal und tief und kommen damit gut zurecht.

Ein Frauenhaar als Liane

Eine heimische Clematis-Vertreterin kennen wir auch von Spaziergängen in Auwäldern: die Echte oder Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba), auch als „Lüln“, „Lün“, „Lian“ und ihrer Fruchtstände wegen als „Geißbart“, „Herrgottsbart“ und „Frauenhaar“ bekannt.

Sie ist neben Efeu und Geißblatt eine der wenigen Lianen Mitteleuropas und kann in kurzer Zeit ganze Bäume und Sträucher überwachsen. In Herbst und Winter glänzen ihre silbernen, fedrigen Fruchtstände, die sich auch hervorragend als Dekoration für herbstliche Sträuße und Gebinde eignen.

Einst fanden die reißfesten Lianen auch als Befestigungsmaterial und in der Korbflechterei Verwendung. Auch Putzknäuel für Reinigungsarbeiten im bäuerlichen Haushalt wurden aus den Bastfasern hergestellt und gaben der Pflanze den Namen „Waschl“. Weniger nützlich, aber umso verlockender waren die Lianenstücke früher übrigens auch für erste heimliche Rauchversuche in der Jugend.

Anzeige