Kleine Erdäpfelkunde: die wichtigsten Sorten im Überblick
Ohne sie wäre die Küche um einiges ärmer: Kartoffeln gibt es in einem großen Spektrum an Formen, Farben und Geschmäckern. Und alle haben sie hübsche Namen.
Jede Kartoffelsorte bringt ihren eigenen Geschmack und ihre besonderen Talente mit – vom frühen Heurigen bis zur alten Landsorte, vom Salaterdapfel bis zum flaumigen Knödel – und beweist dabei, dass es sich lohnt, beim Einkauf ein bisserl genauer auf die Eigenschaften der runden Knolle zu achten.
Agata
Kocheigenschaft: festkochend
Aussehen: Die dünne Schale und das Fleisch der mittelgroßen Knollen sind hellgelb.
Besonderheit: Die Erdäpfel der sehr frühen Sorte werden schon ab Anfang Juni geerntet und haben einen hohen Wassergehalt. Bei Heurigen kann die dünne Schale mitgegessen werden. Sie sind kaum lagerfähig.
In der Küche: Heurige schmecken am besten gekocht mit Salz und Butter oder als Petersil- und Braterdäpfel.
Rote Emmalie
Kocheigenschaft: vorwiegend festkochend
Aussehen: Unter der roten, glatten Schale der länglich-ovalen Knollen verbirgt sich ein auffällig rotes Fruchtfleisch.
Besonderheit: Die Erdäpfelsorte Rote Emma wurde schon um 1923 in Frankreich angebaut, ihre Tochter Rote Emmalie kam 2004 erstmals in die Erde.
In der Küche: Ihr guter, würziger, fast schon erdiger Geschmack und die auffällige Farbe machen die Rote Emmalie zum beliebten Beilagenerdapfel. Perfekt für bunten Erdäpfelsalat, Gnocchi oder Chips.
Sieglinde
Kocheigenschaft: festkochend
Aussehen: Die länglich-ovalen Knollen haben unter der dünnen, glatten Schale ein gelbes Fruchtfleisch.
Besonderheit: Eine alte Sorte mit feinwürzigem Aroma, ausgezeichnetem Geschmack und speckiger Konsistenz. Wie alle Frühkartoffeln sind sie allerdings nicht sehr lagerfähig.
In der Küche: Ein Beilagen-Klassiker, perfekt für den Erdäpfelsalat, aber auch sehr gut für Petersil- oder Salzerdäpfel.
(Naglerner) Kipfler
Kocheigenschaft: speckig
Aussehen: Die ockergelben, nierenförmigen Knollen aus der Gruppe der Fingerkartoffeln zeichnen sich durch hellgelbes, festkochendes Fleisch aus.
Besonderheit: Die älteste in Österreich eingetragene Sorte gibt es seit 1956. Die Konsistenz ist speckig, der Geschmack hervorragend – würzig und leicht nussig. Allerdings ist der Ertrag gering und die Ernte aufwendig.
In der Küche: Kipfler sind die Salaterdäpfel schlechthin.
Anuschka
Kocheigenschaft: vorwiegend festkochend
Aussehen: Kleinere ovale Knollen mit leicht rauer Schale und gelbfleischigem Kern.
Besonderheit: Eine junge, sehr frühe Sorte. Die festkochenden, je nach Anbaugebiet aber auch leicht mehligen Anuschka-Erdäpfel haben ein feines, nussiges Aroma.
In der Küche: Ob für Erdäpfelsalat, Brat- und Salzerdäpfel, Auflauf oder Ofenerdäpfel: Die vielseitige Anuschka ist für fast alle Gerichte geeignet.
Agria
Kocheigenschaft: sehr mehlig bis festkochend
Aussehen: Die großen, rundovalen Knollen sind rauschalig, sehr gelbfleischig und haben ein gutes Erdäpfelaroma.
Besonderheit: Eine ältere, sehr beliebte Sorte, die je nach Witterung, Anbaugebiet und Höhenlage von sehr mehlig bis festkochend ausfallen kann. Auch wenn die Konsistenz schwankt, der Geschmack ist immer gut. Ausgezeichnete Lagerfähigkeit.
In der Küche: Eine beliebte Beilagensorte, perfekt aus dem Ofen oder für Püree, Knödel und Kroketten.
Rosa Tannenzapfen
Kocheigenschaft: festkochend
Aussehen: Längliche, oft skurril verwachsene, eingekerbte Knollen mit rosa Schale und hellgelbem Fruchtfleisch.
Besonderheit: Die Sorte war schon vor 1880 bekannt und gehört zur Gruppe der Fingerkartoffeln. Wegen der Verwachsungen muss sie händisch geerntet werden, das erklärt den etwas höheren Preis.
In der Küche: Der ausgezeichnete, würzige Geschmack kommt besonders im Salat oder bei Braterdäpfeln zur Geltung.
Ackersegen
Kocheigenschaft: mehlig
Aussehen: Rundovale Knollen mit glatter bis leicht genetzter, ockergelber Schale und hellgelbem Fruchtfleisch.
Besonderheit: Die ertragreiche späte Sorte aus Deutschland gibt es seit 1929, hervorzuheben sind der exzellente buttrig-würzige Geschmack und das besondere Aroma.
In der Küche: Die mehligen Ackersegen-Erdäpfel eignen sich besonders gut für Püree, Teige, Knödel und auch Suppen.
Bintje
Kocheigenschaft: mehlig bis vorwiegend festkochend
Aussehen: Mittelgroße bis große rundovale Knollen mit gelber Schale, flachen Augen und sehr gelbem Fruchtfleisch.
Besonderheit: Eine mittelfrühe, sehr ertragreiche Sorte. Für mehlige Erdäpfel eher ungewöhnlich, überzeugt die mehr als 100 Jahre alte holländische Sorte mit sehr vollmundigem, cremig mildem Geschmack.
In der Küche: Ob Knödel, Pommes oder Püree: ein Klassiker in der Küche. Auch sehr beliebt zur Herstellung von Chips.
Ditta
Kocheigenschaft: festkochend
Aussehen: Die langovalen und regelmäßig geformten Ditta-Knollen haben eine gelbe, genetzte Schale und ein zartgelbes Fruchtfleisch.
Besonderheit: Die Ditta behalten beim Kochen ihre feste Struktur und sind sehr universell einsetzbar, der Geschmack ist besonders fein, fast schon zitronig.
In der Küche: Die Sorte wird gerne für Brat- oder Salzkartoffeln verwendet, macht sich aber ab dem Spätherbst auch im Erdäpfelsalat oder Auflauf sehr gut.
Désirée
Kocheigenschaft: vorwiegend festkochend bis mehlig
Aussehen: Unter der hellroten Schale steckt ein zartes, weißgelbes Fruchtfleisch mit einem feinen Aroma.
Besonderheit: Seit 1962 am Markt. Die markante rote Schale geht nicht ins Fruchtfleisch über, der Geschmack ist fruchtig und saftig. Gute Lagereigenschaften!
In der Küche: Schmeckt hervorragend als Salz- oder Ofenerdapfel und eignet sich auch sehr gut für Schmarren, Puffer oder Pommes.
Violetta (Blaue Elise)
Kocheigenschaft: vorwiegend festkochend
Aussehen: Die länglich-ovalen Knollen haben eine auffällige dunkelviolette Schale, darunter steckt ein leuchtend blaues Fruchtfleisch.
Besonderheit: Die Violetta, vor 2004 als Blaue Elise bekannt, hat einen intensiven, kräftigen nussigen Geschmack. Um die Farbe zu erhalten, erst vor dem Servieren salzen!
In der Küche: Die besonders gesunde Sorte kommt im Erdäpfelsalat gut zur Geltung, bringt Geschmack ins Püree und mundet auch als Salz- oder Bratkartoffel.
Hermes
Kocheigenschaft: mehlig
Aussehen: Rundovale, mittelgroße bis große Knollen und leuchtend gelbes Fruchtfleisch.
Besonderheit: Die mittelfrühe österreichische Sorte Jahrgang 1973 enthält besonders viel Stärke, daher sollte man sie nach dem Kochen rasch und noch heiß verarbeiten. Gute Lagerfähigkeit.
In der Küche: Hermes eignen sich gut zum Stampfen und Pressen, aber auch zur Chips- und Pommes-Herstellung.
Lilly
Kocheigenschaft: mehligkochend
Aussehen: Die rundovalen Knollen haben eine gelbe, leicht genetzte Schale und gelbes bis tiefgelbes Fleisch.
Besonderheit: Lilly reift früh bis mittelfrüh, bringt hohe Erträge und fällt durch ihre gleichmäßige Sortierung auf. Beim Kochen dunkelt sie kaum nach.
In der Küche: Mit ihrer lockeren, leicht mehligen Konsistenz eignet sich Lilly besonders gut für Püree, Suppen, Knödel und Erdäpfelteige. Auch als Ofen- oder Salzkartoffel schmeckt sie ausgezeichnet.
Mehlige Mühlviertler
Kocheigenschaft: mehlig
Aussehen: Die runden Knollen haben eine hellgelbe Schale, tiefe Augen und ein hellgelbes Fruchtfleisch.
Besonderheit: Eine alte oberösterreichische Landsorte mit kräftig cremigem Geschmack und besonders guter Lagerfähigkeit.
In der Küche: Die richtig mehlig kochenden Erdäpfel sind die Klassiker für die Knödelküche und eignen sich mit ihrem hohen Stärkegehalt auch gut für Püree und Mehlspeisen aus Erdäpfelteig.
Häufig gestellte Fragen rund um Erdäpfelsorten
Was ist der Unterschied zwischen mehligen, festkochenden und speckigen Erdäpfeln?
Entscheidend ist die Stärke: Je mehr davon in den Erdäpfeln steckt, umso mehliger sind sie.
Mehlige Erdäpfel eignen sich für Püree und Teig. Vorwiegend festkochende Erdäpfel sind die Alleskönner in der Küche. Feste, speckige Erdäpfel machen sich im Salat und gebraten gut.
Erdäpfel sind aber viel zu vielfältig, um nur in mehlig oder speckig eingeteilt zu werden. Am besten fragt man nach dem Namen der Sorte.
Welche Erdäpfel eignen sich für Püree und Teig?
Für Püree und Teig sind mehlige Erdäpfel besser geeignet. Sie enthalten mehr Stärke.
Welche Erdäpfel nimmt man für Salat und zum Braten?
Dafür eignen sich die festen, speckigen Erdäpfel gut. Die vorwiegend festkochenden Sorten sind in der Küche vielseitig einsetzbar.
Wie lange müssen Erdäpfel kochen?
Sie brauchen 25 bis 30 Minuten. So geht es:bDie gewaschenen Erdäpfel in einen Topf geben und gut mit Wasser bedecken. Aufkochen, etwas Salz zugeben und die Hitze reduzieren.
Nach 25 bis 30 Minuten mit einem kleinen Messer anstechen. Fallen die Erdäpfel zurück ins Wasser, sind sie gar.
Wie gelingt Erdäpfelpüree?
Die geschälten Erdäpfel werden geviertelt und weich gekocht. Danach gießt man das Wasser ab und lässt die Erdäpfel gut ausdampfen, eventuell im Backrohr. Erst dann werden sie gestampft oder gepresst. Vom Pürierstab sollte man die Finger lassen, denn er macht das Püree klebrig und zäh.
Darf man rohe Erdäpfel essen?
Davon rät man ab. Rohe Erdäpfel, Keime und grüne Stellen sollte man nicht essen, denn sie enthalten das natürliche Gift Solanin.
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