Wie Vizegrillmeisterin Jenny Gruber ans Feuer kam
Jennifer Gruber aus dem Mostviertel ist Expertin in einer Männerdomäne: Beim Grillen kann ihr keiner was vormachen. Ein Gespräch über Leidenschaften und warum ein Tipper auf die Nasenspitze verrät, wie es um das Steak steht. Und: Rezepte zum Nachkochen.
Gut zu wissen: Jenny Gruber ist am 8. Mai 2026 ab 21.15 Uhr in „FLEISCH! – Feuer frei“ bei ServusTV und ServusTV On zu sehen! Hier geht es direkt zu Jennys besten Rezepten:
Sie sind Kräuterexpertin, Fleischsommelière, haben ein Buch übers Brotbacken geschrieben und waren 2022 Grill-Vizeweltmeisterin. Woher kommt dieses große Interesse für Lebensmittel?
Mein Papa ist Fleischer, meine Mama Köchin und meine Oma Bäuerin. Auf ihrem Bauernhof im Mostviertel bin ich aufgewachsen, da wurde alles selbst verarbeitet, und so habe ich gleich die Wertschätzung für Lebensmittel mitbekommen. Das Interesse wurde mir also in die Wiege gelegt, und als ich mit 22 Jahren jüngste Seminarbäuerin Österreichs wurde, wurde mir klar, dass ich mein Wissen erweitern und weitergeben möchte.
Wie entstand Ihre Leidenschaft fürs Grillen?
Ich habe von klein auf gerne Lagerfeuer gemacht. Dieses Gemeinschaftsgefühl, wenn man miteinander rund ums Feuer sitzt und zu einer Einheit zusammenwächst, hat mir immer gefallen. Es ist ein ganz besonderes Gefühl. Irgendwann wollte ich dann mehr davon haben. Vor sechs Jahren bin ich ins kalte Wasser gesprungen, habe meinen Job gekündigt und Grillen, Kräuter und Backen zum Lebensmittelpunkt gemacht.
Es begann also alles mit der Faszination fürs offene Feuer?
Ja, es ist eine ganz andere Wärme. Auch wenn die Oma daheim den Holzofen anheizt. Wenn es dann so wohlig knistert, das ist romantisch.
Heißt das, dass Sie beim Grillen nur auf archaisches Holzfeuer setzen?
Nein, gar nicht! Ich würde fast sagen, ich sammle Griller, ich habe etwa zwanzig verschiedene. Holzkohle-, Gasgriller, Smoker, einen Elektrogriller und eine Feuerplatte, die in meinem Garten steht. Die Platte funktioniert mit offenem Feuer und braucht sehr lange, bis sie die Hitze hat, da rinnt einem beim Warten schon das Wasser im Mund zusammen. Ich salze das Steak immer schon vorher, leg es auf, und es verkrustet dann so schön auf der Platte. Wenn man es aufschneidet und kostet, spürt man eine richtige Explosion am Gaumen. Beim Gasgrill geht’s ruckizucki. Den oder den Elektrogrill nehm ich, wenn es schnell gehen soll. Mit der Holzkohle wiederum muss ich die Briketts vierzehn Minuten im Anzündkamin drinnen lassen, erst dann kann ich den Griller aufheizen und dann das Steak auflegen.
Der Faktor Zeit spielt also eine große Rolle …
Mit offenem Feuer ist es halt wirklich Grillen, und das braucht seine Zeit, die man sich unbedingt nehmen sollte. Wenn man dann so wartet und sinniert, legt man vielleicht einen Lorbeer- oder Rosmarinzweig in die Glut, langsam verglimmt er, und mit dem Rauch geht sein Geschmack ins Grillgut über. So beginnt man zu experimentieren und wird immer besser.
Da werden dann gleich mehrere Sinne angesprochen …
Absolut! Ein fertiges Steak ist ja allein vom Aussehen perfekt. Dazu schaut man in die Flammen, es riecht gut, man hört das Knistern und Brutzeln …
Wenn es sich anfühlt wie beim Kinn – aber bitte nicht lachen dabei! –, dann ist es noch roh und rot. Fühlt es sich wie die Nasenspitze an, ist es perfekt, weil es leicht federt. Ist es wie an der Stirn, ist es zu viel.Jenny Gruber über das perfekte Steak
Wie erkennt man, wann zum Beispiel ein Steak fertig ist?
Mit der Erfahrung kommt auch das Fingerspitzengefühl. Da braucht man nur hinschauen und weiß, ob es so ist, wie man es will. Anfangs nimmt man besser einen Temperaturmesser. Bei 48 Grad Kerntemperatur ist es sehr englisch. Ab dann wird es in 4-Grad-Schritten immer weniger rosa. Wenn es grau ist, ist es vorbei. Ich empfehle auch gern die Druckprobe: Wenn es sich anfühlt wie beim Kinn – aber bitte nicht lachen dabei! –, dann ist es noch roh und rot. Fühlt es sich wie die Nasenspitze an, ist es perfekt, weil es leicht federt. Ist es wie an der Stirn, ist es zu viel.
Was geht beim Grillen gar nicht?
Das Fleisch mit einer Gabel anstechen beim Umdrehen! Dafür gibt es die Grillzange, sonst rinnt ja der ganze gute Saft heraus. Auch von Alufolie fürs Rasten oder Aufbewahren ist man abgekommen, weil das Fleisch grau wird. Es gibt ja Frischhaltefolie oder Metzgerpapier. Das ist nicht beschichtet und ein bisschen dicker als Backpapier, von dem kann man sogar essen.
Gibt es irgendetwas, das man gar nicht auf den Rost legen kann?
Käse! Der schmilzt und tropft ins Feuer, also bitte nur in einer Pfanne. Ansonsten glaube ich, dass man wirklich alles grillen kann. Obst, Gemüse, Fleisch, Kräuter, sogar Salat habe ich schon probiert, und er ist gelungen.
Ihrer Einschätzung nach: Ist Grillen nach wie vor Männersache?
Nun ja, es geht einfacher und schneller als Kochen, das hat man Männern so beigebracht. Aber nach meiner Beobachtung in den Grillkursen beginnt es sich langsam zu vermischen. So wie sich Männer vermehrt in die Küche stellen, interessieren sich immer mehr Frauen auch fürs Grillen.
Weiterführende Informationen über Jennifer Gruber finden Sie auf natuerlich-jenny.at!
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