Kletterpflanzen für Haus und Garten: Darauf kommt es an
Von der Hausfassade bis zum Gemüsebeet: Kletterpflanzen sind wahre Alleskönner im Garten. Hier erfahren Sie, welche Arten es gibt, wie sie klettern und wie Sie ihnen den besten Start geben.
Die einst kahle Mauer grünt und blüht. Wie auch die mächtige Pforte zum Gemüsegarten, der schattige Sitzplatz, der alte Obstbaum. Mit etwas Unterstützung verzaubern Kletterpflanzen Haus und Hof.
Welche Kletterpflanzen gibt es – und wie klettern sie eigentlich?
Bei Kletterpflanzen denkt man immer an Efeu und Wilden Wein, an Rosen und Clematis. Dabei gibt es noch eine Vielzahl an rankenden Gewächsen, die im Sommer mit ihrer Farben- und Formenvielfalt, vor allem jedoch mit ihrem Blütenschmuck auffallen und für die wir jetzt im Frühling die besten Voraussetzungen schaffen können. Geklettert wird im Prinzip auf vier Arten, und aus der jeweiligen Klettertechnik der Pflanze ergeben sich die Ansprüche an Mauerwerk und Rankhilfen.
Schlinger haben keine speziellen Kletterorgane, sondern winden sich mit ihren Trieben um Zäune, Pergolen und Rankgerüste. Dazu zählen Blauregen und verschiedene Geißblatt-Arten.
Die Ranker unter den Kletterpflanzen halten sich mit korkenzieherähnlichen Sprosstrieben an den Kletterhilfen fest. Alle Clematis-Arten (die großblättrigen blühen ab Anfang Mai) und auch die Weinreben gehören in diese Gruppe.
Spreizklimmer wie die Kletterrosen (blühen ab Ende Mai) haken sich mit Stacheln, Dornen und Seitenzweigen in Sträuchern und Bäumen fest. Freistehend im Garten brauchen sie ein Klettergerüst.
Selbstklimmer bilden Haftscheiben wie der Wilde Wein oder Haf wurzeln wie der Efeu, mit denen sie sich festhalten können. Ein Rankgerüst brauchen sie nicht.
Eines sollte in jedem Fall beachtet werden: Ob selbstkletternd oder nicht, Kletterpflanzen tut in den ersten Jahren ein unterstützendes Aufbinden gut, ehe sie den Weg hinauf aus eigener Kraft schaffen.
Welche Vorteile hat eine begrünte Fassade?
Bewachsene Fassaden sind aus ästhetischen, ökologischen und auch ökonomischen Aspekten eine Überlegung wert. Sie binden Feinstaub, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und schaffen zusätzlichen Lebensraum sowie Nahrungsangebot für Insekten und Vögel. Die grünen Wände wirken außerdem als Schall- und Wärmedämmung: Im Winter darf man sich über reduzierte Heizkosten freuen, im Sommer über einen kühlenden Effekt.
Sind Kletterpflanzen an der Hausfassade schädlich für das Mauerwerk?
Immer wieder hört man Bedenken gegen Kletterpflanzen an Hausmauern. Eine intakte Fassade aber wird durch rankende und schlingende Pflanzen nicht beeinträchtigt. Ist das Mauerwerk jedoch brüchig und weist Risse auf, können selbstklimmende Pflanzen mit ihren Haftorganen in die Ritzen eindringen und die Schäden verstärken. Vor der Begrünung deshalb unbedingt den Zustand des Mauerwerks überprüfen! Werden Efeu oder Wilder Wein später einmal entfernt, bleiben allerdings Reste der Haftwurzeln an der Mauer zurück.
Rosenbogen oder Pergola – was passt wohin?
Sie dienen meist als Sicht- und Wetterschutz oder als imposante Pforte in den Küchengarten – Pergolen und Rosenbögen. Diese gibt es fix und fertig aus behandeltem oder unbehandeltem Eisen (die entstehenden Rostflecken bei letzterer Variante sind ästhetisch gewollt), Draht oder Holz. Mit ein bisschen handwerklichem Geschick kann man sie auch selbst gestalten, denn individuelle Lösungen haben meist mehr Charme.
Bei hölzernen Rosenbögen sind eckige Konstruktionen für den Anfang einfacher zu bewältigen als geschwungene Bögen. Eichen-, Robinien- und Lärchenholz sind zwar nicht billig, aber wegen der Witterungsbeständigkeit geeigneter als Weichholz von Kiefern oder Fichten.
Umwelt-Empfehlung: Sogenanntes Thermoholz aus heimischen Laubwäldern ist zwar eine kostspieligere, aber umweltfreundliche Alternative zu druckimprägniertem Holz oder Tropenholz. Durch Behandlung mit Hitze verhärten sich die Zellwände, und der Farbton wird dunkler. Thermoholz braucht auch keinen zusätzlichen Holzschutz und ist nahezu splitterfrei.
Wie pflanze ich Kletterpflanzen richtig an einem alten Baum?
Manche Kletterpflanzen klimmen äußerst dekorativ in hohe Baumkronen. So verhelfen etwa Clematis einem alten Obstbaum, der nicht mehr trägt, zu neuer Blüte. Auch Rambler-Rosen wie „Bobbie James“ (weiß) oder „New Dawn“ (rosa) erfüllen einen in die Jahre gekommenen Baumriesen mit Blütenkaskaden.
Gepflanzt werden die Kletterkünstler auf der dem Wind zugewandten Seite, damit sie nicht vom Baum weggeweht werden. Der Abstand zum Baum sollte einen Meter betragen. Als Anfangsstütze wird ein starkes Seil im Boden verankert und zu einem kräftigen Ast gespannt. Daran werden die Triebe zum Baum geleitet. Achtung: Vor dem Seilspannen – wegen allfälliger dicker Wurzeln – mittels Probegrabungen eine passende Stelle für das Pflanzloch suchen!
Welche Rankhilfen eignen sich für den Garten und wie baut man sie selbst?
Staudenstützen aus Holz gibt es in jedem Gartenzentrum. Viel schöner sind allerdings jene aus eigener Erzeugung. Die Möglichkeiten reichen vom entblätterten Ast, der im Frühling einfach ins Beet gesteckt wird, damit die Triebe hineinwachsen können, bis zum kunstvollen Obelisken, der sich nach oben hin verjüngt.
Wer es bunt mag, streicht die Konstruktion passend zur Blütenfarbe der Pflanze, die sie umranken wird, mit naturbelassenen Farben. Solange frische Triebe noch biegsam sind, lassen sie sich zu stützenden Elementen flechten.
Servus-Empfehlung: Ganz schnell ist eine Kletterpyramide gebaut – einfach drei bis fünf gleich lange Hölzer im Drei- oder Fünfeck in den Boden schlagen und oben zeltförmig zusammenbinden. Noch einfacher: eine alte Holzleiter aufstellen und im Boden fixieren – eine originelle Kletterhilfe für Blumen, Erbsen, Bohnen, Paradeiser und Gurken.
Gewicht und Statik nicht unterschätzen
Servus-Tipp: Wer als Kletterhilfe ein Gerüst an einer Mauer anbringen möchte, muss bei der Konstruktion auch an das Gewicht der wachsenden Pflanze und zusätzliche Belastungen durch Wind oder Schnee denken.
Wer ein größeres Klettergerüst ab etwa drei Meter Höhe plant, sollte vorab eine statische Berechnung einholen. Denn das Eigengewicht mancher Kletterpflanzen ist beachtlich: Trompetenblumen oder Kletterhortensien bringen es auf 13 bis 15 Kilogramm pro Quadratmeter, eine einzelne Kletterrose kann über 100 Kilogramm wiegen. Glyzinien sind am schwersten – ihr Eigengewicht von mehreren hundert Kilogramm und ihr starkes Dickenwachstum erzeugen erhebliche Zugkräfte auf Gerüst und Verankerungen. Hinzu kommen Schnee- und Eislast im Winter sowie Windbelastung, die ab acht Meter Höhe deutlich zunimmt.
Wie schütze ich Holzkonstruktionen im Garten vor Witterung?
Holz im Freien ist Sonne, Wind, Regen und Temperaturschwankungen ausgesetzt. Ein paar einfache Regeln helfen, die Lebensdauer von Rankhilfen und Pergolen deutlich zu verlängern:
Glatte Oberflächen sind wasserabweisender als sägeraue und trocknen schneller. Für tragende Teile daher gehobeltes Holz verwenden.
Erdkontakt vermeiden: Holzelemente sollten nur bei sehr kurzer Nutzungsdauer direkten Bodenkontakt haben.
Edelstahlschrauben verwenden – unverzinktes Material rostet und beschädigt das Holz von innen.
Hirnholzflächen schützen: Die oberen Enden von Pfosten anschrägen, abrunden oder mit einem Brett abdecken, damit Regenwasser gut abrinnen kann.
Pflegen statt versiegeln: Lasuren, Öle und Wachse lassen das Holz atmen und schützen es gleichzeitig vor Regen, Schmutz und Abnutzung.
Über die Geschichte von Kletterpflanzen
Kletterpflanzen an Hauswänden sind keine Erfindung der Neuzeit. Eine der ältesten bekannten Darstellungen stammt aus dem alten Ägypten – sie ist rund 3.400 Jahre alt und zeigt ein von Weinreben überwachsenes Presshaus. Auch römische Häuser gaben sich gern grün: Der Schriftsteller Plinius der Jüngere beschrieb um 100 n. Chr. „bekleidete“ Hauswände.
In Japan zeugen tausendjährige Glyzinien von der langen Geschichte der Kletterkunst, und am Mariendom in Hildesheim wächst ein Rosenstock, dessen Existenz seit gut 400 Jahren belegt ist. Im 17. und 18. Jahrhundert kamen dann immer mehr Kletterpflanzen aus Nordamerika nach Europa – darunter der Wilde Wein und die Trompetenblume. Blauregen und Schlingknöterich folgten im 19. Jahrhundert aus Asien.
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