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Naturapotheke

Bitter im Mund macht den Magen gesund: Gelber Enzian

Die Zeit des Schlemmens ist vorbei, das Bäuchlein ist ein bisserl runder und die Verdauung ein bisserl müder. Genau die richtige Zeit, um mit bitteren Kräutern den Stoffwechsel anzukurbeln.

Gelber Enzian, Naturapotheke, Heilpflanze, Servus
Foto: Pixabay

Text: Miriam Wiegele

  • Hilft bei: Völlegefühl, Blähungen und Magensaft­mangel, körperlicher und seelischer Schwäche sowie in der Rekonvaleszenz

  • Wirkung: Appetitanregend und verdauungsfördernd

  • Heilanwendung: Tee, Ansatzschnaps oder als Wein

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  • Botanik: Der Gelbe Enzian ist eine der markantes­ten Alpenpflanzen und wächst vor allem auf un­gedüngten Almwiesen und in Hochstaudenfluren. Die stattliche, ausdauernde Pflanze mit dem un­verzweigten, kräftigen Stängel wird 50 bis 120 cm hoch. Die großen bläulichgrünen Blätter ähneln mit ihren zur Blattspitze verlaufenden Nerven jenen des giftigen Weißen Germer (Veratrum album). Man sollte sich also davor hüten, Enzian­wurzeln selber auszugraben – wegen der Verwechslungsgefahr und natürlich auch, weil der Enzian ebenso unter strengem Naturschutz steht wie die anderen hohen Enzianarten, die rötlich blühen. Weltweit gibt es rund 1.100 Vertreter der Enziangewächse, auch das zarte Tausend­güldenkraut (Centaurium erythraea) gehört dazu. Gemein ist ihnen allen die Bitterkeit.

  • Geschichte: Laut Dioscorides, dem berühmten griechischen Arzt im alten Rom, sollen die „Gen­tiane“ nach dem illyrischen König Gentis (um 500 v. Chr.) benannt sein, der die Pflanzen gegen die Pest empfahl. Der deutsche Name Enzian lei­tet sich ebenfalls vom lateinischen Gentiane ab und war bereits im 13. Jahrhundert gebräuchlich. Die mittelalterlichen Kräuterbuchautoren schätz­ten den Enzian als Universalmittel gegen Schwäche, Blutarmut, Magen­ und Darmstörungen, aber auch gegen Gicht und Rheumatismus. Vor allem aber wurde der Enzian so wie viele andere bittere Pflanzen gegen Fieber eingesetzt. In der Volksmedizin spielt der Enzianschnaps seit jeher als Medizin für den Magen eine große Rolle: Und die Enzianwurz‘n is a guete Wurz'n, is a guete Medizin. Ja, wenn’s im Magen drein oft tut’s recht saggrisch schneid’n, nimm i alleweil a Glaserl ein.

  • Inhaltsstoffe und Wirkung: Verwendet wird die Wurzel von älteren Pflanzen. Der Enzian ist ein Amarum tonicum, also eine anregende Bitterstoff­droge. Bitterstoffe werden von den Geschmacks­knospen am Zungengrund wahrgenommen. Das kurbelt die Speichelbildung und reflektorisch auch die Produktion des Magensaftes bzw. der Bauchspeicheldrüsensekrete an. Der Appetit wird angeregt, gleichzeitig die Verdauung gefördert. Enzian, das bewährte „Magentonikum der Alten“, hilft bei Völlegefühl, Blähungen und Magensaft­mangel, aber auch bei körperlicher und seelischer Schwäche sowie in der Rekonvaleszenz.

Gelber Enzian als Tee, Schnaps oder Wein

  • Tee macht man am besten als Kaltwasserauszug.
    ½ bis 1 TL Wurzel mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen, abgießen und auf Trinktemperatur erwärmen. Zur Anregung der Magensaftbildung ½ Stunde vor dem Essen trinken, bei Verdauungsbeschwer­den gleich danach.

  • Dazu eignet sich natürlich auch ein Ansatzschnaps oder Enzianwein, den man likörgläschenweise genießt: 50 g Wurzeln in 1 l Wein 8 Tage ziehen lassen.

  • Bei Magen­ oder Zwölffingerdarmgeschwüren soll En­zian nicht eingenommen werden.

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