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Tiere

Tierspuren im Schnee erkennen

Fährten können Tausende Geschichten erzählen. Von Ruhe und Frieden, von Lust und Leid, von Flucht und Angst. Jetzt im Winter sind sie am schönsten – aber auch am vergänglichsten. Anhand der folgenden Bilder können wir die Tierspuren unterscheiden.

Fasanspur im Schnee (Foto: Mauritius Images)
Foto: Mauritius Images
Fasanspur im Schnee

Text: Klaus Kamolz

In Feld, Wald, Wiese und Garten werden jetzt Spuren in den Neuschnee geschrieben. Wer diese aber nicht vor dem ersten Föhnhauch oder einem erneuten Schneefall liest, bleibt ahnungslos.

Deshalb ist Christian Deschka im Winter besonders oft mit der Kamera draußen unterwegs. Der Biologe aus Peilstein im oberösterreichischen Mühlviertel ist seit seiner Kindheit ein Experte auf dem Gebiet des Fährtenlesens: „Ich bin in einem Dorf mit vier Häusern und fünf Misthaufen aufgewachsen, und die Tiere sind im Winter bis nahe ans Haus gekommen“, erinnert er sich. Klar, da war natürlich dieser weithin bekannte Stempel in jeder mitteleuropäischen Winterlandschaft, die Hasenfährte: zwei längliche Tapser nebeneinander, dahinter zwei aufgefädelte, punktförmige Abdrücke. Wer in der Schule aufgepasst hat, weiß auch, dass die vorderen Abdrücke jene der Hinterläufe sind. „Wenn man einer solchen Fährte folgt“, schwärmt Deschka, „kann man interessante Beobachtungen machen.“

Im verschneiten Wald etwa werden solche Geschichten erzählt: Fuchs und Hase begegnen einander, verharren in fünf Meter Entfernung. Plötzlich sprinten beide kurz los – und ziehen gleich darauf wieder ihrer Wege. „Der Fuchs weiß recht rasch“, sagt Deschka, „dass er in dieser Situation keine Chance hat. Dann trennen sich die Fährten eben wieder.“

Fährtenleser benützen natürlich die Fachsprache ihres Metiers. Sie nennen den einzelnen Abdruck Trittsiegel, eine Abfolge von Trittsiegeln beim Schalenwild Fährte, bei Raub- und anderen Wildtieren Spur oder Geläuf. Sie wissen, dass Füchse schnüren, Dachse nageln und Rehe die sogenannten Schalen ihrer Hufe spreizen, wenn sie es eilig haben. Und sie wissen natürlich, dass Spuren, die an einem Bachufer enden, von Fischottern, Bisamratten oder Bibern stammen, und solche, die schnürend unter einem abgestellten Auto enden, fast sicher einem Steinmarder gehören, der sich den Weg zum wärmenden Getriebe freigebissen hat.

Christian Deschka kann viele Geschichten aus dem Schnee lesen, auch solche über Tiere, die hierzulande kaum jemand zu Gesicht bekommt. Im oberen Mühlviertel etwa muss die geradlinige Tierspur mitten in einer Langlaufloipe nicht unbedingt von einem großen Hund stammen. Auch Luchse bevorzugen in der kalten Jahreszeit solch festgetretene Pfade, weil sie helfen, Energie zu sparen.

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Eichhörnchenspur im Schnee (Foto: Mauritius Images)
Foto: Mauritius Images
Eichhörnchenspur im Schnee

Eichhörnchen

Eine Spur endet an einem Baum? Was kann das anderes sein als die Spur eines Eichhörnchens? Durchaus verbreitet ist hierzulande die Annahme, Eichhörnchen würden einen Winterschlaf halten.
Das tun sie aber nicht, wie an den zahlreichen Spuren in Wäldern, Gärten und Parks zu sehen ist. Gelegentlich verlassen sie ihre Kobel genannten Nester, um Nahrung zu suchen. Ganz abgesehen von den charakteristisch kurzen Wegen zwischen Bäumen sind Eichhörnchenspuren sehr leicht zu erkennen.

Sie hoppeln immer wie die Hasen und setzen dabei ihre Hinterfüße mit den langen Krallen vor die Vorderfüße; die vier Abdrücke bilden eine Trapezform. Fluchtspuren und Ruhespuren sind, bis auf die Entfernung der Abdrücke, ident.

Fuchsspur im Schnee (Foto: Mauritius Images)
Foto: Mauritius Images
Fuchsspur im Schnee

Fuchs

Entlang von Hecken, Bachufern oder Waldrändern führt oft die schnürende Spur des Fuchses. Dabei treten die Tiere mit den Hinterfüßen in die Abdrücke der Vorderfüße; im Winter sind diese Trittsiegel mit dem Hauptballen und den vier Nebenballen wegen des Winterfells um die Pfoten rundlicher als im übrigen Jahr.

Wo sich leicht erhöhte Stellen, Baumstümpfe oder Grenzsteine befinden, macht die geradlinige Spur oft eine kleine Zacke; dort bleibt im Schnee ein kleiner gelber Markierfleck zurück. Fährtenleser wissen es zu schätzen, dass Füchse im tiefsten Winter mit der Paarung beginnen, was bei Füchsen heißt, sie werden ranzig. Dann führen zwei Spuren im Schnee zueinander, die im Treffpunkt einen stark ausgetretenen Kreis bilden, der für den Rest des Winters das Schrittmuster des Hochzeitstanzes bewahrt.

Wenn Fuchsspuren plötzlich enden, empfiehlt es sich, ein wenig vorauszublicken: In bis zu drei Meter Entfernung ist bisweilen die Landespur mit den vier Pfoten und der Schnauzenspitze zu sehen. Hier hat sich ein Fuchs auf eine Maus gestürzt, die er sogar unter der Schneedecke noch wittern kann.

Fasanspur im Schnee (Foto: Mauritius Images)
Foto: Mauritius Images
Fasanspur im Schnee

Fasan

Der am häufigsten verbreitete, hierzulande aber als Jagdwild eingebürgerte Fasan ist, abgesehen von urbanen Ballungsräumen, nahezu überall anzutreffen. Sein Trittsiegel gleicht dem berühmten, aber verkehrtherum dargestellten Peace-Zeichen und ist etwa sieben Zentimeter lang, wodurch es von jenem des Rebhuhns unterscheidbar ist. Die leicht erhöhte Hinterzehe wird im Schnee immer abgedrückt.

Fasane fliegen nicht gerne; nur nachts baumen sie auf, wie Jäger sich ausdrücken. Oder sie starten einen Fluchtversuch. Bei diesem vergrößert sich auf kurzer Strecke der Abstand zwischen den Trittsiegeln, und kurz nachdem der Vogel abgehoben hat, sind auf beiden Seiten einige parallel angeordnete Striche im Schnee zu sehen: Das sind die Spitzen der Schwungfedern. Manchmal findet man an solchen Stellen noch ein paar Federn des Vogels, obwohl keine Spuren im Schnee zu ihm führen. Dann war der Fasan zu langsam für einen Habicht.

Hasenspur im Schnee (Foto: Mauritius Images)
Foto: Mauritius Images
Hasenspur im Schnee

Hase

Jeder kennt die Spur des Hasen. Sie kreuzt die Hänge, über die wir mit dem Sessellift gleiten, ebenso wie Gärten und verschneite Beete. Wer aber der Spur länger folgt, lernt viel über das Verhalten der Nager.
Sind keine Feinde in der Nähe, hoppeln sie gemächlich vor sich hin, schlagen da und dort eine sogenannte Sasse, in die sie sich hineindrücken, hinterlassen etwas Losung und ziehen weiter. Mitunter aber enden Hasentapser auf offener Flur. Wohin sind die Tiere plötzlich verschwunden? Da gibt es meist zwei Möglichkeiten: Entweder sie wenden in der Spur und hoppeln darin zurück, was schon so manchen Fuchs verwirrt hat. Oder sie springen aus dem Stand bis zu zwei Meter weit. Auch das ist oft eine unbewältigbare Herausforderung für hundeartige, sich durch ihren Geruchssinn orientierende Räuber.

Rehspur im Schnee (Foto: Mauritius Images)
Foto: Mauritius Images
Rehspur im Schnee

Reh

Langsam oder schnell: Rehfährten verraten viel über den jeweiligen Entspanntheitsgrad der Tiere. Ruhige Rehe setzen die Hinterläufe in die Trittsiegel der Vorderläufe, flüchtende übereilen: Das heißt, die Hinterläufe drücken sich, wie beim Hasen, vor den Vorderläufen ab. Fährten hektischer Rehe sind zudem daran zu erkennen, dass durch das Tempo auch die sogenannten Afterklauen im Schnee sichtbar werden; die Hufschalen sind in dieser Situation gespreizt.

Im tiefen Schnee ziehen Rehe aus Gründen der Energieersparnis meist exakt hintereinander und treten sogar in die Abdrücke der vorderen Tiere.

Auf Kuppen oder anderen leicht erhöhten Stellen scharren sie mit ihren Vorderläufen gerne sogenannte Betten in den Schnee, in denen sie, stets aufmerksam, rasten. Man geht oft ziemlich nahe an solchen Betten vorbei, ohne die Tiere zu sehen.

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