Das kalte Quintett – was hinter den Eisheiligen im Mai steckt
Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie: Die Eisheiligen prägen bis heute das Leben von Bauern und Gärtnern. Was hinter den jahrhundertealten Wetterregeln steckt und warum der Bodenfrost im Mai oft erst später kommt als gedacht.
- Was sind die Eisheiligen?
- Wer sind die 5 Eisheiligen?
- Steckt hinter den Eisheiligen echte Wetterforschung?
- Wie schützten sich Bauern früher vor dem Frost?
- Warum kommen die Eisheiligen heute oft später?
- Wie werden die Eisheiligen 2026 in Österreich?
- Wann darf man auspflanzen?
- Haben Balkonpflanzen bei den Eisheiligen einen Vorteil?
Was sind die Eisheiligen?
„Der Mai, zum Wonnemonat erkoren, hat den Reif noch hinter den Ohren.“ Diese alte Bauernregel trifft es gut. Seit Jahrhunderten gelten die Tage vom 11. bis zum 15. Mai als eine Periode, in der der Winter noch einmal zurückschlägt – mit Temperatursturz, eisigen Winden und Bodenfrost.
Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie: Die fünf Tage tragen die Namen jener Schutzheiligen, deren Namenstage in dieser Zeit begangen werden. Sie waren wundertätige Bischöfe und Märtyrer des frühen Christentums – mit den ihnen zugeschriebenen Wettereigenschaften hatten sie jedoch nichts zu tun. Ihr religiöses Wirken trat im Laufe der Zeit immer mehr hinter das nachgesagte meteorologische zurück.
Wer sind die 5 Eisheiligen?
Mamertus, 11. Mai
Er lebte im 5. Jahrhundert nach Christus und war Erzbischof von Vienne. Mamertus führte die Bittprozession vor Himmelfahrt ein und soll durch Beten einem furchtbaren Feuer Einhalt geboten haben. Als erster Eisheiliger gilt er allerdings nur in Norddeutschland.
Pankratius, 12. Mai
Der Legende nach war er der verwaiste Sohn eines reichen Römers. Pankratius half verfolgten Christen und wurde 304 n. Chr. im Alter von nur 14 Jahren von Kaiser Diokletian enthauptet.
Pankratius hält den Nacken steif, sein Harnisch klirrt vor Frost und Eis.Bauernregel
Servatius, 13. Mai
Er wurde im Mittelalter aus zwei Gestalten zu einer Figur vermischt: dem ersten Bischof von Tongeren in Belgien und einem Servatius aus Gallien, beide aus dem 4. Jahrhundert. Servatius soll mit einem Holzschuh erschlagen worden sein. Die Bauernregel warnt: „Wer sein Schaf schert vor Servaz, dem ist die Wolle lieber als das Schaf."
Bonifatius, 14. Mai
Er war in seiner Jugend kein Christ und lebte in Sünde mit einer reichen Römerin, ließ sich in Tarsus in Kilikien – dem heutigen Türkei – zum Christentum bekehren und taufen. Um 306 n. Chr. wurde Bonifatius durch siedendes Pech getötet.
Sophie, 15. Mai
Sie lebte in Rom und starb 304 n. Chr. unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod. Ihre Attribute sind Palme, Buch, Trog und Schwert. Vermutlich ist Sophie ident mit Sophia von Minden, die in Ostwestfalen verehrt wird. Die Kalte Sophie gilt im Alpenraum als gefürchtetster der fünf Eisheiligen-Tage – und als letzter. „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi, und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.“
Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi, und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.Bauernregel
Steckt hinter den Eisheiligen echte Wetterforschung?
Ja – zumindest teilweise. Alexander Orlik, Meteorologe und zuständig für die alljährliche Eisheiligen-Prognose im Alpenraum, bringt es auf den Punkt: „Bauernregeln sind kein Blödsinn – es sind volkstümliche Orientierungshilfen, die in Jahrhunderten von Beobachtung und Erfahrung entstanden sind.“ Und er ergänzt: „Was wir als Eisheilige kennen, ist eine meteorologische Singularität, die aufgrund bestimmter Konstellationen häufig entstehen kann, aber nicht muss.“
Im Mai erwärmen sich die Kontinentalmassen rascher als der Nordatlantik. Durch den unterschiedlichen Luftdruck entstehen Tiefdruckgebiete, die kühle Luft nach Mittel- und Südeuropa schaufeln. Weil diese Kaltluft von Norden nach Süden strömt, gilt Mamertus in Norddeutschland als erster Eisheiliger – im Alpenraum kommt die Kälte schlicht etwas später an.
Wie schützten sich Bauern früher vor dem Frost?
Mit allerlei Maßnahmen versuchten die Menschen, an den Eisheiligen-Tagen drohende Frostschäden zu verhindern. Obst- und Weinbauern entzündeten beim sogenannten „Reifheizen" feuchtes Laub und Holz, um mit dem dadurch entstehenden Rauch bereits blühende Nutzpflanzen vor dem Erfrieren zu schützen.
Dutzende Bauernregeln entstanden rund um diese Tage – und bis heute gelten die Eisheiligen in vielen Bereichen als Stichtage: Almauftriebe finden häufig erst nach dem 15. Mai statt, Igelstationen raten, ihre stacheligen Schützlinge erst nach der Kalten Sophie in die Freiheit zu entlassen, und Schafe sollten ebenfalls nicht vorher von ihrer Wolle befreit werden.
Warum kommen die Eisheiligen heute oft später?
Wer genau hinschaut, stellt fest: Die Kälteeinbrüche finden heute häufig erst elf bis zwölf Tage nach dem 11. Mai statt – also etwa zwischen dem 23. und 27. Mai. Der Grund liegt in der Kalenderreform von 1582: Papst Gregor XIII. strich dem Jahr kurzerhand zehn Tage, um Abweichungen des Sonnenjahres vom julianischen Kalender zu korrigieren. Die Wetterregeln zu den Eisheiligen blieben dabei unverändert.
Hinzu kommen mikroklimatische Unterschiede: Kessellagen mit wenig Wind sind im Mai bei klarem Wetter besonders gefährdet, weil die Luft vom Boden her auskühlt und Wind den Abkühlungsprozess durch raschen Luftmassenaustausch behindert. Was für ein Tal in Niederbayern gilt, muss für Ostösterreich also noch lange nicht zutreffen.
Wer sein Schaf schert vor Servaz, dem ist die Wolle lieber als das Schaf.Bauernregel
Wie werden die Eisheiligen 2026 in Österreich?
Die Eisheiligen 2026 fallen in Österreich auf den Zeitraum vom 11. bis 15. Mai – und heuer hält sich das Wetter auch daran. Laut GeoSphere Austria wird zwar ein deutlicher Temperatursturz erwartet, die Tiefstwerte bleiben in den meisten bewohnten Regionen aber meist zwischen etwa 5 und 12 Grad.
Trotzdem kann es lokal zu Bodenfrost kommen – vor allem wenn nach Regenschauern in der Nacht die Wolken aufreißen. Besonders hoch ist die Frostgefahr in folgenden Regionen:
Alpine Täler ab 600 bis 700 Metern Seehöhe in Tirol, Salzburg und der Steiermark, etwa rund um Irdning oder Lienz.
Klassische Kaltluftseen im Waldviertel und Mühlviertel, etwa rund um Zwettl, können bei klaren Nächten noch Temperaturen unter 0 Grad erreichen.
Inneralpine Becken wie der Lungau und Teile Kärntens rund um Villach und Klagenfurt weisen ebenfalls ein erhöhtes Risiko auf.
In den Niederungen hingegen bleibt nennenswerter Frost eher die Ausnahme. Städte wie Wien und Graz sowie das Flachland in Oberösterreich und im Nordburgenland sind im Mai nur etwa alle fünf Jahre von Bodenfrost betroffen. In Weinbauregionen wie der Wachau oder der Südsteiermark ist die gefährlichste Frostphase meist schon vor den Eisheiligen vorbei – auch wenn seltene Ausnahmen wie im Jahr 2012 möglich bleiben.
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Die Eisheiligen kommen:
Wann darf man auspflanzen?
Für Freizeitgärtner gilt die Faustregel: Empfindliche Pflanzen wie Tomaten, Gurken, Bohnen und Basilikum erst nach den Eisheiligen ungeschützt ins Freiland setzen. Doch Vorsicht: Nach der Kalten Sophie ist der Winter noch nicht endgültig vorbei. Bis zum 29. Mai – dem Namenstag des Heiligen Wigand – empfiehlt es sich, mit dem Auswintern empfindlicher Pflanzen noch zu warten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wartet angesichts der verschobenen Kälteperiode und der regionalen Unterschiede also besser bis Ende Mai.
Weiterlesen: Was im Mai im Garten zu tun ist
Haben Balkonpflanzen bei den Eisheiligen einen Vorteil?
Tatsächlich ja. Bodenfröste werden zumeist fünf Zentimeter über dem Boden gemessen – das bedeutet, dass Balkonpflanzen im ersten Stock oder Obstblüten in höheren Baumregionen etwas weniger gefährdet sind als frisch keimendes Saatgut unten im Garten. Wer seine Tomaten oder Kräuter also auf einem erhöhten Balkon zieht, kann etwas ruhiger schlafen als der Nachbar mit dem Frühbeet ebenerdig.
Doch auch die Frage, wann die Kälte überhaupt kommt, sorgt zunehmend für Verwirrung. Wetterextreme stiften in jüngerer Zeit Unruhe rund um die Zuverlässigkeit des Phänomens. Immer öfter kümmern sich die Tage der kältebringenden Märtyrer keinen Deut um ihren angestammten Platz im Kalender. Die Temperatursturze vollziehen sich mal vor, mal nach der Monatsmitte. Treten sie früher auf, lässt sich das noch mit der schwächeren Kraft der Frühlingssonne und den letzten Nachwehen der kalten Jahreszeit erklären.
Wird es hingegen gegen Ende des Monats frostig, mögen – neben der gregorianischen Kalenderreform – auch Klimaveränderungen eine Rolle spielen. Die Temperaturkurven weisen um den 20. Mai im Schnitt deutlicher nach unten als um den 12. Mai. Die Eisheiligen sind also weniger ein fixer Termin als vielmehr ein Zeitfenster – und wer seinen Garten kennt, weiß: Ein wachsames Auge auf die Wettervorhersage schadet in dieser Zeit nie.
Weiterlesen: Wie schafft es mein Garten durch die Trockenheit?
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