Alles Knödel: Küchentipps und Kuriositäten
Warum beim Kernderl im Kern der Gaumen jubiliert, das Knödelchen im Knödel die Arbeit erleichtert und Erdäpfelbällchen, mit einem Katapult geschossen, zu einer Ordensverleihung führen können.
Ob süß oder pikant, als Suppeneinlage, Beilage oder Hauptgericht: Der Knödel gehört zur österreichischen Küche wie der Suppentopf zum Herd. Damit er flaumig wird, beim Kochen nicht zerfällt und vielleicht sogar ein kleines Geheimnis in seinem Inneren verbirgt, helfen ein paar einfache Küchenkniffe. Und auch abseits des Kochtopfs hat der Knödel erstaunliche Geschichten geschrieben.
Hier kommt unser Knödel-ABC
Mit diesen fünf Tipps gelingen Knödel, ihre Füllungen und auch die Hülle zu jeder Zeit.
Flaumige Semmelknödel
Gutes Knödelbrot muss nicht aus der Packung kommen. Würfelig geschnittene Semmeln vom Vortag nehmen die Flüssigkeit gut auf und sorgen für besonders flaumige Knödel. Außerdem ist das eine köstliche Möglichkeit, altbackenes Gebäck zu verwerten.
Bemehlen oder befeuchten?
Ob die Hände beim Knödelformen trocken oder feucht sein sollten, hängt vom Teig ab. Erdäpfel-, Mehl- und Brandteig lassen sich mit bemehlten Händen leichter in Form bringen. Bei Semmel-, Grieß-, Topfen-, Polenta- oder Leberknödeln hilft hingegen ein wenig Wasser, damit die Masse nicht an den Fingern kleben bleibt.
Auch ein Probeknödel schafft Gewissheit, ob die Konsistenz passt. Bevor die ganze Knödelschar ins Wasser wandert, sollte zunächst ein kleiner Probeknödel gekocht werden. Ist er zu fest, verträgt die Masse noch etwas Ei oder Flüssigkeit. Zerfällt er im Wasser, lässt sie sich meist mit ein wenig Mehl retten. So bleibt genügend Zeit zum Nachbessern.
Knödel richtig füllen
Grammeln, Speck, Brät oder eine feine Farce lassen sich einfacher im Teig verstecken, wenn die Fülle zunächst zu kleinen Kugeln geformt und gut gekühlt wird. Danach werden die festen Kügelchen mit dem Knödelteig umhüllt. Auf diese Weise bleibt die Fülle dort, wo sie hingehört: mitten im Knödel.
Bei Steinobstknödeln wird der Kern gerne durch ein Stück Würfelzucker, Nougat oder Marzipan ersetzt. Wer es ungewöhnlicher mag, kann sogar ein kleines Kügelchen aus würzigem Blauschimmelkäse darin verbergen und dieses mit etwas Honig oder Sirup und Pfeffer abschmecken.
Auch das Auge isst mit
Knödel sind nicht nur etwas Besonderes für den Gaumen, sie können auch das Auge erfreuen: Wenn man die noch heißen Knödel in Kräutern, grob gemörserten Gewürzen oder geriebenen nüssen rollt, verleiht man ihnen nich tnur das gewisse Etwas, sondern auch optisch den besonderen Pfiff.
Ein besonderer kulinarischer Höhepunkt ist, einen Semmelknödel, der zu einem defitgen Wildragout serviert wird, in Spänen von edler Bitterschokolade zu wälzen. Auch den Teig kann man natürlich färben, indem man ein Püree von Kräutern, Roten Rüben oder Spinat unter die Knödelmasse zieht.
Knödel-Kuriositäten zum Staunen
Als das Runde plötzlich eckig werden sollte, ein Knödel, der ein ganzes Dorf vor einer Belagerung rettete und noch so manch andere Wunderlichkeiten.
Die eckige Knödel-Erfindung
Ein Knödel muss nicht zwingend rund sein – zumindest war davon der fränkische Mechaniker Wolfgang Müller überzeugt. Bei einer Erfindermesse im Jahr 1971 präsentierte er einen Aluminiumrahmen, in dem sich bis zu 21 viereckige Knödel gleichzeitig kochen ließen. Durchgesetzt hat sich seine Erfindung nicht. Der Knödel blieb rund.
Lebensretter: Knödel
Einen Knödelbrunnen gibt es in der Gemeinde Deggendorf in Bayern. Er erinnert daran, dass im 13. Jahrhundert der Legende zufolge ein riesiger Knödel einer Deggendorfer Hausfrau einen Späher der Armee Ottokars von Böhmen im Gesicht getroffen haben soll.
Das hätte die Belagerung Deggendorfs beendet, weil der Späher im Lager meldete, die Einwohner hätten noch so viel Essen, dass sie damit sogar werfen könnten.
Flugabwehr mit Erdäpfelknödeln
Als „Knödelschütz’ von Pasing“ ging der Werbegrafiker Helmut Winter in die Geschichte ein, als er 1967 auf besondere Art gegen den Fluglärm am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck protestierte. Weil er nach einem Überschallflug über sein Haus in einer Zeitung inserierte, er suche ein „Flugabwehrgeschütz mit ausreichend Munition“, lockte er nicht nur den Geheimdienst, sondern auch internationale Medien an.
Als Ausweg aus dem Dilemma baute er ein einfaches Katapult und schoss für die Medien symbolisch mit Erdäpfelknödeln auf die Flugzeuge. Winter wurde mit dem Karl-Valentin-Orden ausgezeichnet, und die Flugrouten wurden geändert. Seine Knödelschleuder übergab Winter später dem „Knödelei“-Wirt Florian Oberndorfer, der sie im Wirtshaus in der Au aufstellte.
Knödelfeste und große Esser
In St. Johann in Tirol wird einmal im Jahr im September in der Schpeckbacherstraße der längste Knödeltisch der Welt für das Knödelfest aufgebaut. Auf dem schon mal einen halben Kilometer langen Tisch servieren unzählige Gastwirte verschiedene Knödelspezialitäten mit mehreren 10.000 Stück für die Besucher.
Im tschechischen Slušovice geht es noch ein wenig ehrgeiziger zu. Dort findet nach der Zwetschkenernte traditionell ein Zwetschkenknödel-Wettessen statt. Eine Stunde lang versuchen die Teilnehmer, so viele Knödel wie möglich zu verspeisen. Der überlieferte Rekord liegt bei erstaunlichen 191 Stück.
Musikalische Knödel
Der Knödel hat es sogar auf die Bühne und in den Film geschafft. Formationen wie das bayerische Trio „Knedl & Kraut“ oder die österreichische Gruppe KNOEDEL tragen ihn bereits im Namen. Letztere zählt zu den Wegbereitern der Neuen Volksmusik und steuerte unter anderem die Filmmusik zu „Das Wunder von Wörgl“ bei.
Der Knödel ist weit mehr als eine runde Köstlichkeit. Er ist Küchenklassiker, Erfinderstück, Festessen, Protestmittel und manchmal sogar Musik.
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