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Gute Küche

Alles Knödel: Küchentipps und Kuriositäten

Warum beim Kernderl im Kern der Gaumen jubiliert, das Knödelchen im Knödel die Arbeit erleichtert und Erdäpfelbällchen, mit einem Katapult geschossen, zu einer Ordensverleihung führen können.

Grafiken, Dorf, Haus, Knödel mit Sauce in einem tiefen Teller, Knödel mit unterschiedlichen Bröseln auf einem anderen Teller.
Foto: Andreas Posselt
Knödel gibts in vielen Variationen. Es lässt sich mit ihnen Wettessen und noch so andere Feste feiern.

Ob süß oder pikant, als Suppeneinlage, Beilage oder Hauptgericht: Der Knödel gehört zur österreichischen Küche wie der Suppentopf zum Herd. Damit er flaumig wird, beim Kochen nicht zerfällt und vielleicht sogar ein kleines Geheimnis in seinem Inneren verbirgt, helfen ein paar einfache Küchenkniffe. Und auch abseits des Kochtopfs hat der Knödel erstaunliche Geschichten geschrieben.

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Hier kommt unser Knödel-ABC

Mit diesen fünf Tipps gelingen Knödel, ihre Füllungen und auch die Hülle zu jeder Zeit.

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Flaumige Semmelknödel

Gutes Knödelbrot muss nicht aus der Packung kommen. Würfelig geschnittene Semmeln vom Vortag nehmen die Flüssigkeit gut auf und sorgen für besonders flaumige Knödel. Außerdem ist das eine köstliche Möglichkeit, altbackenes Gebäck zu verwerten.

Grafik Brotmesser, Semmel, Holzbrett und kleine Semmelwürferl
Foto: Andreas Posselt
Am besten schmecken Semmelknödel, wenn man das Knödelbrot selber macht.

Bemehlen oder befeuchten?

Ob die Hände beim Knödelformen trocken oder feucht sein sollten, hängt vom Teig ab. Erdäpfel-, Mehl- und Brandteig lassen sich mit bemehlten Händen leichter in Form bringen. Bei Semmel-, Grieß-, Topfen-, Polenta- oder Leberknödeln hilft hingegen ein wenig Wasser, damit die Masse nicht an den Fingern kleben bleibt.

Auch ein Probeknödel schafft Gewissheit, ob die Konsistenz passt. Bevor die ganze Knödelschar ins Wasser wandert, sollte zunächst ein kleiner Probeknödel gekocht werden. Ist er zu fest, verträgt die Masse noch etwas Ei oder Flüssigkeit. Zerfällt er im Wasser, lässt sie sich meist mit ein wenig Mehl retten. So bleibt genügend Zeit zum Nachbessern.

Grafik, eine Hand befeuchtet, die andere bemehlt, darüber liegen verschiedene Knödelarten
Foto: Andreas Posselt
Ob feuchte oder bemehlte Hände, mit der richtigen Ausrüstung wird jeder Knödel perfekt.

Knödel richtig füllen

Grammeln, Speck, Brät oder eine feine Farce lassen sich einfacher im Teig verstecken, wenn die Fülle zunächst zu kleinen Kugeln geformt und gut gekühlt wird. Danach werden die festen Kügelchen mit dem Knödelteig umhüllt. Auf diese Weise bleibt die Fülle dort, wo sie hingehört: mitten im Knödel.

Bei Steinobstknödeln wird der Kern gerne durch ein Stück Würfelzucker, Nougat oder Marzipan ersetzt. Wer es ungewöhnlicher mag, kann sogar ein kleines Kügelchen aus würzigem Blauschimmelkäse darin verbergen und dieses mit etwas Honig oder Sirup und Pfeffer abschmecken.

Grafik, Marillenknödel mit Brösel, Kerne liegen daneben und Würfelzucker ist zu sehen
Foto: Andreas Posselt
Bei Marillenknödel wird der Kern in der Frucht entfernt und durch ein Stück Würfelzucker ersetzt.

Auch das Auge isst mit

Knödel sind nicht nur etwas Besonderes für den Gaumen, sie können auch das Auge erfreuen: Wenn man die noch heißen Knödel in Kräutern, grob gemörserten Gewürzen oder geriebenen nüssen rollt, verleiht man ihnen nich tnur das gewisse Etwas, sondern auch optisch den besonderen Pfiff.

Ein besonderer kulinarischer Höhepunkt ist, einen Semmelknödel, der zu einem defitgen Wildragout serviert wird, in Spänen von edler Bitterschokolade zu wälzen. Auch den Teig kann man natürlich färben, indem man ein Püree von Kräutern, Roten Rüben oder Spinat unter die Knödelmasse zieht.

Grafik Schokoladeraspeln, zwei Knödeln mit unterschiedlichen Bröseln (einmal grün, einmal braun) auf einem tiefen Teller.
Foto: Andreas Posselt
Ob Schokolade oder Kräuter, als Hülle für Knödel kann man allerhand verwenden.

Knödel-Kuriositäten zum Staunen

Als das Runde plötzlich eckig werden sollte, ein Knödel, der ein ganzes Dorf vor einer Belagerung rettete und noch so manch andere Wunderlichkeiten.

Die eckige Knödel-Erfindung

Ein Knödel muss nicht zwingend rund sein – zumindest war davon der fränkische Mechaniker Wolfgang Müller überzeugt. Bei einer Erfindermesse im Jahr 1971 präsentierte er einen Aluminiumrahmen, in dem sich bis zu 21 viereckige Knödel gleichzeitig kochen ließen. Durchgesetzt hat sich seine Erfindung nicht. Der Knödel blieb rund.

Lebensretter: Knödel

Einen Knödelbrunnen gibt es in der Gemeinde Deggendorf in Bayern. Er erinnert daran, dass im 13. Jahrhundert der Legende zufolge ein riesiger Knödel einer Deggendorfer Hausfrau einen Späher der Armee Ottokars von Böhmen im Gesicht getroffen haben soll.

Das hätte die Belagerung Deggendorfs beendet, weil der Späher im Lager meldete, die Einwohner hätten noch so viel Essen, dass sie damit sogar werfen könnten.

Grafik: Ein Brunnen mit einer Frauenstatue in der Mitte, die einen Knödel wirft
Foto: Andreas Posselt
Mit nur einem einzigen Knödel kann man ein ganzes Dorf vor dem Untergang bewahren.

Flugabwehr mit Erdäpfelknödeln

Als „Knödelschütz’ von Pasing“ ging der Werbegrafiker Helmut Winter in die Geschichte ein, als er 1967 auf besondere Art gegen den Fluglärm am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck protestierte. Weil er nach einem Überschallflug über sein Haus in einer Zeitung inserierte, er suche ein „Flugabwehrgeschütz mit ausreichend Munition“, lockte er nicht nur den Geheimdienst, sondern auch internationale Medien an.

Als Ausweg aus dem Dilemma baute er ein einfaches Katapult und schoss für die Medien symbolisch mit Erdäpfelknödeln auf die Flugzeuge. Winter wurde mit dem Karl-Valentin-Orden ausgezeichnet, und die Flugrouten wurden geändert. Seine Knödelschleuder übergab Winter später dem „Knödelei“-Wirt Florian Oberndorfer, der sie im Wirtshaus in der Au aufstellte.

Grafik: Knödel, Überschallflieger, hölzernes Katapult mit einem Knödel
Foto: Andreas Posselt
Medienwirksame Knödel-Katapultmaschine gegen störenden Luftverkehr.

Knödelfeste und große Esser

In St. Johann in Tirol wird einmal im Jahr im September in der Schpeckbacherstraße der längste Knödeltisch der Welt für das Knödelfest aufgebaut. Auf dem schon mal einen halben Kilometer langen Tisch servieren unzählige Gastwirte verschiedene Knödelspezialitäten mit mehreren 10.000 Stück für die Besucher.

Im tschechischen Slušovice geht es noch ein wenig ehrgeiziger zu. Dort findet nach der Zwetschkenernte traditionell ein Zwetschkenknödel-Wettessen statt. Eine Stunde lang versuchen die Teilnehmer, so viele Knödel wie möglich zu verspeisen. Der überlieferte Rekord liegt bei erstaunlichen 191 Stück.

Grafik: Ein tiefer Teller mit Sauche und Knödeln. Dahinger ist eine Kirche mit zwei Türmen und ein großes Haus zu sehen. Es soll ein Dorf darstellen.
Foto: Andreas Posselt
Gegessen wird was auf den Tisch kommt. So auch in St. Johann in Tirol beim Knödelfest in der Speckbacherstraße.

Musikalische Knödel

Der Knödel hat es sogar auf die Bühne und in den Film geschafft. Formationen wie das bayerische Trio „Knedl & Kraut“ oder die österreichische Gruppe KNOEDEL tragen ihn bereits im Namen. Letztere zählt zu den Wegbereitern der Neuen Volksmusik und steuerte unter anderem die Filmmusik zu „Das Wunder von Wörgl“ bei.

Der Knödel ist weit mehr als eine runde Köstlichkeit. Er ist Küchenklassiker, Erfinderstück, Festessen, Protestmittel und manchmal sogar Musik.

Grafik: eine Tuba, Noten und Knödel, die aus der Tuba fliegen.
Foto: Andreas Posselt
Die Knödel machen auch nicht vor der Musik halt – und das klingt gut.
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