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Naturapotheke

Die Signaturlehre des Paracelsus

Was verrät das Aussehen einer Pflanze über ihre Heilkraft? Warum sagt ein Blumenname oft mehr als tausend Worte? Wissenswertes zur Signaturlehre nach Paracelsus und die sieben Säulen der Volksmedizin.

Paracelsus, Signaturlehre, Illustration
Foto: Andreas Posselt
Paracelsus hieß eigentlich Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim. Der Arzt, Alchemist, Astrologe und Philosoph wurde 1493 in der Schweiz geboren und starb 1541 in Salzburg. Er gilt als Begründer der Signaturlehre, seine Heilerfolge sind legendär.

Der Instinkt, sagt man, ist die Nase des Verstandes. Menschen mit dem richtigen Riecher, mit einer außergewöhnlichen Intui­tion und der Fähigkeit, ein bisschen genauer hineinzuschnuppern und hineinzuschauen in den Kern der Dinge, solche Menschen also prägten gerade in vorwissenschaftlichen Zei­ten, als es noch keine Labors und Messgeräte gab, unser Wissen. Sie verstanden es, die Zeichen der Natur zu lesen, sie sagten uns, welche Pflanzen heilkräftig oder giftig sind.

Augentrost, Leberblümchen, Lungen­kraut oder Frauenmantel – die Namen die­ser Pflanzen erzählen uns heute noch von diesem uralten Wissen. Oder die Walnuss, wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem mensch­lichen Gehirn ein traditionelles Heilmittel bei Erkrankungen des Kopfes. Heute wissen wir, dass die darin enthaltenen Fettsäuren tatsächlich gut für unser Gehirn sind.

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Unsere Volksmedizin basiert in erster Li­nie auf dieser Signaturlehre. Deren Begrün­der war der geniale mittelalterliche Arzt Pa­racelsus. Diese Urprinzipien finden sich im Menschen und seinen Lebensabschnitten, in Pflanzen und Tieren, Steinen und Metallen, Jahreszeiten und sogar in Landschaften.

Welches Heilwissen kann uns die Signa­turlehre nun vermitteln?

Servus Mondpost
  • Es geht um das grundlegende Verständ­nis: Erkrankungen, die aus einem Übermaß oder einem Zuwenig des Urprinzips im Kör­per entstehen, können jeweils mit adäqua­ten Pflanzen, Metallen oder Mineralien gut behandelt werden.

1. Das Jupiterprinzip – Überblick und Lebensgestaltung

Jupiter ist der „joviale“ Gott im Olymp, der, mit Weisheit und Wohl­stand reichlich ausgestattet, diese Gaben auch gern verteilt. Begriffe wie Gerechtigkeit, Großmut und Güte werden Jupiter zugeordnet, Erkennt­nis und Einsicht ebenso wie Philosophie, was eigentlich Weisheitsliebe bedeutet. Das Jupiterprinzip sollte daher im Herbst des Lebens entwickelt werden. Zu den Gaben des Jupiters zählen auch Glück, Erfolg, Optimismus, Gerechtigkeitssinn und soziales Empfinden.

  • Organe & Funktionen: Knorpel, Gelenke, Bandscheiben und das Binde­gewebe, also alles zwischen Fest (Knochen/Saturn) und Weich (Muskel/Mars). Und natürlich die Leber, die in der TCM als Kaiser der Organe gilt.

  • Jupiterpflanzen: Majestätische Pflanzen, vor allem Laubbäume wie die Ei­che. Als männliches Prinzip war sie allen Götterherrschern geweiht, auch den keltischen und germanischen. Die Knospen werden in der Gemmothe­rapie zur Stärkung der Manneskraft eingesetzt. Pflanzen wie die Artischocke sind Balsam für Leber und Galle; Gelber Enzian, Löwenzahn oder Odermen­nig stärken die Leber, die Verdauung bzw. die Bauchspeicheldrüse; gut für die Leber sind auch Pflanzen mit hellblauen Blüten wie die Wegwarte; Bäu­me mit essbaren Früchten zeigen die Jupitersignatur: Walnüsse werden als Hirnfutter verwendet, Edelkastanien zur allgemeinen Stärkung.

2. Das Marsprinzip – Energie und Durchschlagskraft

Mars, der heißfeurige, zornige Krieger, steht natürlich für das Prinzip von Energie, Tatkraft und Willensstärke, Entschlossenheit, Kampfesfreudigkeit bis zur Aggression. Er ist das Gegenprinzip zu Venus, seiner Geliebten. Die Marskraft beflügelt im Körper die männliche Sexualfunktion, die Muskeln und die Galle. Wenn einem die Galle überläuft, sieht man rot und wird ag­gressiv. Marsprobleme manifestieren sich auch in Entzündungen, Fieber, stechenden Schmerzen und hohem Blutdruck.

  • Organe & Funktionen: Die männlichen Organe; Gallenbildung, arterielles System und Blutdruck, Oxidationsprozesse (steuern den Eisengehalt im Blut), Immunstärkung.

  • Marspflanzen: Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie brennen, stechen, beißen und über andere hinauswachsen. Die Brennnessel ist eine klassische Marspflanze, die obendrein viel Eisen enthält und deren Wirkstoffe in der Wurzel die Manneskraft stärken können. Auch Pflanzen mit Dornen und Stacheln gehören dazu – wie Sanddorn und Schlehdorn, die bei Schwäche­zuständen helfen; außerdem blutrot blühende Pflanzen und Früchte wie Kapuzinerkresse (gegen Infektionen) oder Weißdornfrüchte (gut für die Herzkranzgefäße); Gewürze mit scharfem Geschmack: Ingwer wird in der TCM verwendet, wenn die Männer auskühlen; Kren ist so was wie ein pflanzliches Antibiotikum im Urogenitalbereich; Knoblauch und Rettich befeuern die Gallenproduktion bei Cholesterinproblemen.

3. Das Saturnprinzip – Reife und Konzentration

Der älteste der Planetengötter ist der Hüter der Schwelle zur Welt, der Herr der Zeit und der Sensenmann, der Lehrmeis­ter auf dem langen Marsch zum Ziel. Er ist Väterchen Frost, dessen Siegelzeichen Winterskälte und dunkle Tannenwälder sind. Das Saturnprinzip ist verdichtete Kraft, Verfestigung und Konzentra­tion. Im Körper formen die Saturnkräfte das Skelett – und alle Krankheiten, die zu Verhärtung führen, auch Krebserkrankungen, die allzu oft mit dem Tod enden, sind Ausdruck von Störungen des Saturnprinzips.

  • Organe & Funktionen: Knochen, Knochenmark, Wirbelsäule, Gedächtnis (Saturnpflanzen können Altersleiden wie Gedächtnisschwund lindern).

  • Saturnpflanzen: Langlebige und immergrüne Pflanzen wie Nadelhölzer, die in der Gemmotherapie bei Knochen- und Gelenksproblemen verwendet werden; oder der Efeu, der bei Bronchitis älterer Menschen hilft; entwick­lungsgeschichtlich alte Pflanzen wie der Ackerschachtelhalm (gut für Binde­gewebe und Gelenke); Farne wie Tüpfelfarn mit seiner aufbauenden, ana­bolen Wirkung; bittere Pflanzen wie Wermut, der bei Schwächezuständen neue Kraft gibt, oder Salbei (austrocknend bei Schweißausbrüchen); Pflan­zen mit schmutzig weißen bis violetten Blütenfarben – wie der Beinwell, der „die Knochen wallen“ lässt, also die Knochenbildung nach Brüchen homöo­pathisch fördert; und viele giftige Pflanzen wie der Eisenhut, der homöopa­thisch bei Nervenschmerzen eingesetzt wird.

4. Das Sonnenprinzip – Wärme und Vitalität

Ohne Sonne kein Leben. Sie ist das Zentrum, aus dem die Schöpfung ent­sprungen ist. Sie steht für alles, was zentral und souverän ist, und mani­festiert sich in Prinzipien wie Autorität, Vitalität und Vollkommenheit. Das Sonnenprinzip sollte man also am besten im Zenit des Lebens entwickeln. Die Sonne ist das Licht, das Ordnung ins Chaos bringt. Im Gegensatz zum Mond versinnbildlicht das Sonnenprinzip das Männliche. Die Eigenschaften von Mond und Sonne decken sich ungefähr mit dem chinesischen Begriffs­paar Yin und Yang. Sie enthalten keine Wertung im Sinne von negativ oder positiv, passiv oder aktiv, sie zeigen nur die Polarität allen Seins.

  • Organe & Funktionen: Linkes Gehirn und somit die Ratio, Herz und Kreis­lauf; Wärmeregulation, Vitalität und Lebensfreude, aber auch Herzlichkeit.

  • Sonnenpflanzen: Sie sind aufrechte, majestätische Gestalten – wie der Wei­zen, der die Vitalität fördert; oder das Johanniskraut mit seinen goldgelben Blüten, das Sonnenstrahlen in verzweifelte Herzen bringt; Arnika oder Rin­gelblume, die unsere Muskeln wärmen; Pflanzen mit feurig-aromatischem Geschmack, zum Beispiel Rosmarin, oder Gewürze wie Lorbeer, Zimt und Gewürznelken, die uns innerlich aufwärmen; Harze wie Weihrauch und Myrrhe mit ihrer stark entzündungshemmenden Wirkung.

5. Das Venusprinzip – Harmonie und Partnerschaft

Die holde Liebesgöttin repräsentiert Prinzipien wie Harmonie und Partnerschaft, Lebensbejahung und Schönheitssinn. Die Venus lässt weibliche Rundungen wachsen, Störungen ihrer Kraft zeigen sich daher in Magersucht oder Fettleibigkeit, aber auch im psychischen Be­reich. Das drückt sich dann entweder durch Gefühlskälte oder romantische Gefühlsduselei aus.

  • Organe & Funktionen: Die Venus regiert im Körper die Nieren (alle paarigen Organe haben mit Partnerschaft zu tun), die weiblichen Organe wie die Ge­bärmutter, die Drüsen, den venösen Blutkreislauf und den Hormonhaushalt.

  • Venuspflanzen: Harmonisch ausgebildete Pflanzen wie der Frauenmantel, die Frauenpflanze schlechthin; Pflanzen mit samtweichen Blättern wie der reizmildernde Eibisch; süß duftende Blüten wie bei der Linde, die seelische Leiden „lindert“; dunkelrosa Blüten wie bei der Betonie zeigen an, dass sie die weiblichen Organe stärken; alle Pflanzen mit süßen Früchten (von Him­beere bis Erdbeere) enthalten in ihren Blättern Phytoöstrogene. Zwei Pflan­zen sind absolute Venuspflanzen: der Apfelbaum, an dem alles venusisch ist und dessen Früchte für Liebeszauber verwendet wurden; und natürlich die Rose mit ihrem lieblichen Duft und den Dornen (botanisch sind’s eigentlich Stacheln), die als Zeichen der Verbindung zu ihrem ständigen Liebhaber Mars gelten. Und man weiß ja: Keine Liebe ohne Dornen …

6. Das Merkurprinzip – Beweglichkeit und Veränderung

Der flinke Götterbote, das ist Merkur. Er repräsentiert geistige und körperliche Beweglichkeit, Veränderung und Kommunikation. Merkur war ja der Gott der Diebe und Gaukler, aber auch der Geschäfts­leute und Ärzte. Typische merkuriale Leiden sind Lungen- und Nervenkrank­heiten, Sprachstörungen und Überreizungen des Bewegungsapparats.

  • Organe & Funktionen: Im Körper regiert der zwittrige Merkur neben der Schilddrüse vor allem die Lungen, die das Sprechen und damit die Kom­munikation erst ermöglichen. Und natürlich auch die Nerven, die unseren Muskeln quasi Beine machen. Merkur ist für alle schnellen Prozesse ver­antwortlich, also etwa auch für Allergien oder das Zappelphilipp-Syndrom.

  • Merkurpflanzen: Schnell wachsende Pflanzen wie das einjährige Springkraut, das als Bachblüte gegen innere Ungeduld hilft; alle Doldenblütler wie Anis und Fenchel, die gegen Husten eingesetzt werden; Kletterpflanzen wie der Hopfen, Pflanzen mit auffallenden Blüten wie die Akelei oder mit Blütenfar­ben von Blau bis Violett wie der Lavendel – sie alle sind gut für unser Ner­venkostüm. Die Kuhschelle mit den Komplementärfarben Violett und Gelb in den Blüten wird in der Homöopathie gegen Zustände wie „himmelhoch­ jauchzend – zu Tode betrübt“ eingesetzt, das Stiefmütterchen gegen schnell auftretende Krankheiten wie Neurodermitis. Überhaupt folgen Pflanzen mit zweifärbigen Blüten dem Merkurprinzip, zum Beispiel das Lungenkraut, das wegen seiner rosa und blauen Blüten auch „Hänsel und Gretel“ genannt wird und bei chronischen Bronchialkatarrhen hilft.

7. Das Mondprinzip – Weiblichkeit und Rhythmus

Das Mondprinzip regiert im menschlichen Körper die Flüssigkeiten, so wie der Mond Ebbe und Flut bestimmt. Der Mond ist astrolo­gisch das Gegenteil von der Sonne, also das passive, urweibliche Prinzip. Wie weit wir uns vom Wesen dieser Urprinzipien entfernt haben, sehen wir in unserer Sprache. Wir sagen DER Mond und DIE Sonne. Der Mond bringt uns den Schlaf und die Träume. Menschen, die diese unbewussten Bilder auch am Tag in sich tragen, nennt man daher „verrückt“ und im Englischen „lunatic“.

  • Organe & Funktionen: Das Mondprinzip regiert das limbische System (Zen­trum der Emotionen), die rechte Gehirnhälfte (steht für Intuition, Krea­ti­vität), Haut und Schleimhaut, Lymphe, Hormone und Keimdrüsen, den Schlafrhythmus und den Hormonhaushalt. Auch andere Biorhythmen folgen dem Mond: So braucht beispielsweise eine Hautzelle 28 Tage für ihre Entwicklung.

  • Mondpflanzen: Sie wachsen wie Mädesüß oder Weide, die bei fiebrigen Erkrankungen helfen, häufig im Feuchten. Pflanzen mit weißen Blüten und narkotischem Duft wie die Madonnenlilie, die seit jeher als Schönheitsmittel für die Haut gilt, gehören dazu. Außerdem: Pflanzen mit milchig weißen Blüten wie die Taubnessel, die bei der Regeneration der Schleimhäute hilft, oder das Klettenlabkraut, das gegen Hautprobleme eingesetzt wird; Pflan­zen mit modrigem Geruch wie Patschuli oder Stinkender Storchschnabel, die gut für unser Hormonsystem sind; saftige, schleimige Pflanzen wie Aloe oder Gurke, die unserer Haut guttun; giftige Pflanzen wie der Schlafmohn oder die Nachtschattengewächse, die uns „hinter den Mond“ befördern, wie die Tollkirsche, die große Pupillen und damit den Tag zur Nacht macht.

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